8. Ausblick
Hier werden die gegenwärtigen Entwicklungen betrachtet und Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung aufgezeigt. Technisch realisierbar sind die meisten der erwähnten Eigenschaften bereits. Bei der Übertragung mit Glasfaser zum Beispiel ist die Technik bereits entwickelt, aber die Leitungen noch nicht umfassend weltweit verlegt. In Japan und den USA werden bereits HDTV Sendungen digital ausgestrahlt. In den USA gibt es zudem eine Verordnung das bis 2006 alle Sender digital senden müssen.
Die technische Entwicklung in den einzelnen Bereichen wird ebenfalls voranschreiten und Änderungen bezüglich höherer Geschwindigkeit bringen. Die hier genannten Konzepte sind dann aber immer noch gültig. Eine Innovation kann vor allen Dingen aus der Integration all dieser einzelnen Faktoren zu einem Postproduktionsprozeß erfolgen.
8.1. Software statt Hardware
Computer werden immer schneller. Das ist besonders für die Postproduktionshäuser eine gute Nachricht. Die Videobearbeitung stellt hohe Ansprüche an die verwendete Technik, zu schnell war die Hardware noch nie, dennoch wird heute ein Leistungsniveau erreicht das vor einigen Jahren unmöglich erschien. Insbesondere 'PCs' erreichen heute Leistungen, die den Einsatz von Kühlschrankgroßen, teuren 'Supercomputern' fraglich erscheinen lassen. Programme(Produkte) wie After Effects, Avid DS, Discreet Combustion und Quantel IQ, zeigen das die Entwicklung hin zu offenen Maschinen geht. Alle diese Produkte laufen auf 'Windows 2000 (NT)' oder 'Apple Macintosh' Rechnern. Der Unterschied besteht darin in wie weit eine spezielle Videohardware zusätzlich benutzt wird. Die Produkte setzen mehr auf Software Umsetzung und die Möglichkeit verschiedenste Video- und Dateiformate zu unterstützen, als noch die vorige Generation von Geräten.
Externe Programme anderer Anbieter können auf dem selben Rechner installiert werden, um einen Rechner eine Spezialaufgabe zu ermöglichen. Ein spezielles 'Slow-Motion' Programm etwa. Dessen berechnetes Ergebnis ist dann von dem eigentlichen Videoprogramm lesbar.
Der Trend zur Software hat einen Kosten verringernden Faktor. Jeder handelsübliche PC läßt sich mit einer Videokarte ausrüsten. Die entsprechende Software zum Schneiden wird meist mitgeliefert und eine Software zur Effektbearbeitung ist auch preiswert zu haben. Für fünftausend Euro läßt sich ein solcher Schnittplatz aufbauen. Natürlich kann solch ein Gerät nicht in der gleichen Geschwindigkeit arbeiten wie die Systeme die 10 bis 100 mal mehr kosten.
Die Rechengeschwindigkeit ist langsam und der Ablauf der Arbeiten ist umständlicher, es ist aber möglich.
Heute kann man einige Stunden digitales Video auf dem eigenen Personalcomputer speichern. Das ist eine Entwicklung die sich bei der Einführung digitaler Bildbearbeitung niemand hätte träumen lassen.
In den nächsten Jahren wird es möglich sein dieses Video über seine Telefonleitung (oder wie man es dann nennen wird) zu verschicken.
Aus Sicht kleiner Firmen lassen sich dann bei Bedarf Filmabtastung und/oder Videoausspielung als externe Dienstleistung einkaufen. Für eine DVD Produktion stehen ebenfalls externe Dienstleister zur Verfügung. Filme für die Nutzung im Internet können von per CD oder Modem zum Kunden gelangen. Warum also noch kostspielige Bandmaschinen kaufen?
Eine Aufteilung in kreative und rein technische Betriebe ist auch möglich. Die kreativen Arbeiten werden mit Software umgesetzt, ein rein technischer Betrieb wandelt die angelieferten Daten dann in Videobänder, DVDs oder Internetseiten um, ähnlich der Arbeitsteilung zwischen Schnittraum und Filmkopierwerk.
8.2. Netzwerk
Geht man davon aus das in einem Postproduktionshaus mehrere Arbeitsplätze eingerichtet sind, so wird eine Vernetzung vielfältige Vorteile mit sich bringen. Idealerweise greifen alle Arbeitsplätze auf einen zentralen Speicher zurück um Bilddaten zu schneiden, Effekte zu erstellen oder die Tonmischung vorzunehmen. (Kap.2.6. Speichertechnologie, Storage Area Network, Kap.6.). Zusätzliche Rechner steuern dabei welches Gerät wann und wo auf den 'Festplattenkuchen' zugreifen darf. Im Investitionsrahmen von mehreren Plätzen und der dazugehörigen Technik machen sich die Kosten für einen solchen Kontrollrechner nur im Promillebereich bemerkbar.
Eine denkbare Variante wäre zudem eine zentrale Recheneinheit die auf Videoberechnung spezialisiert und extrem leistungsfähig ist, an der mehrere Arbeitsplätze hängen, welche die Informationen für die gewünschte Operation an den zentralen Rechner weitergeben. Die Instruktion "mach das Bild größer und blauer" wird dann an einen zentralen Computer geleitet, der diese Effekte, möglichst in Realtime, errechnet und auf dem Monitor zeigt. Ein fertiges Produkt kann von einem zentralen Ein- und Ausgabeplatz aus abgerufen werden und auf Tape überspielt werden, auf DVD gebrannt werden oder über das Internet verschickt werden. Tatsächlich werden heute Produktionen nicht nur für eine Verendung im Kino oder Fernsehen produziert. Insbesondere eine Verwertung für das Internet und für DVD wird zunehmend von den Postproduktionshäusern verlangt. Auch bei reinen TV Produktionen wird zum Beispiel ein Trailer auch auf der Webseite des Senders zur Eigenwerbung plaziert.
Investitionen in diese Geräte setzen allerdings voraus das sie untereinander kompatibel sind. Die Daten des Schnitts sollten für die Effekt- und Tonbearbeitung unverändert übernommen werden können, ebenso wie detaillierte Informationen über bereits erstellte Sequenzen, Titel, Farbkorrekturen usw. (siehe 8.3. Metadata).
Wird an einer Stelle des Netzwerkes ein höherwertigeres Gerät installiert (schneller oder bessere Qualität), so können alle Geräte im Netzwerk davon profitieren, ohne gleich alle Geräte austauschen zu müssen.
Wenn ein schnellerer Rechner zur Verfügung steht kann man diesen austauschen ohne das die Zusammenstellung von Software, Festplatten etc. geändert werden müßte. Dieses Konzept trägt die Idee des zentralen Technikraums weiter. Nicht nur Bild- und Tonmaterial kann dann von jeder Maschine in jeden Schnittraum eingelesen werden, vielmehr kann man auf ganze bearbeitete Sequenzen zurückgreifen, eine Tonmischung oder eine Effektsequenz, die dann ohne weitere Bearbeitung im Schnitt des Films verwendet werden kann (siehe Kap.6).
Da die Computer die in den Schnitträumen stehen und eigentlich nur Instruktionen weitergeben ebenfalls über hohe Rechenleistung verfügen läßt sich diese für andere Produktionen nutzten, wenn der Raum nicht belegt ist oder für komplexe Berechnungen über Nacht.
Computeranimationen werden oft nach diesem Prinzip erstellt. An einem Rechner entwirft der Animator sein Modell. Bevor er nach Hause geht, stellt er die Rechenleistung seines Computers dem Netzwerk zur Verfügung (siehe auch Digital Domain Kap.5.4.2.).
Das beschriebene Szenario ist nicht billig. Die Kosten eines solchen Systems sind zunächst nur für große Postproduktionshäuser erschwinglich.
Breitbandvernetzung ist das Stichwort für diesen nächsten großen Schritt in der Technik, die ebenso ein Potential für völlig neue Märkte und Anwendungen für digitales Video bieten werden. Statt wie hier beschrieben nur innerhalb einer Firma wird dann dieses Austauschen von Bilddaten weltweit möglich sein.
In diesem Zusammenhang könnte die ‚HiPPI‘ (High Performance Paralell Interface, Hochgeschwindigkeits Paralell Schnittstelle) Verbindung eine Rolle spielen, falls sich die Industrie auf diesen Standard einigt. Das Protokoll kann in Speicherlösungen ebenso wie bei der Netzwerkübertragung eingesetzt werden und ist in der Lage die entsprechend hohen Datenströme zu transportieren.
8.3. Metadata
Die beschriebene Vernetzung macht aber erst Sinn, wenn die verschiedenen Systeme die Daten auch entsprechend verstehen können. Bisher konnte digitales Video von einer Avid Maschine nicht von Quantel oder Discreet Produkten 'gelesen' werden. Der Austausch von Daten erfolgte über EDLs (Schnittlisten), die Daten für Effekte, Farbkorrektur, Titel usw. nicht transportieren. Es mußten also nochmals die Tapes eingelesen werden und dann nochmals die Effekte erstellt werden. Für die Erstellung der Effekte gab es möglicherweise eine Kommunikation zwischen den beiden Operatoren über die Effekte aber ob man genau das Ergebnis wieder erreichen kann ist fraglich. Die Arbeit mußte immer zweimal erledigt werden.
Daten die alle Informationen außerhalb des Bildes und des Tons betreffen nennt man Metadata. Also etwa Tapenummer, In und Out Punkte, Information über das Compositing (wieviel Layer mit welchen Effekten). All diese Daten sollen mit 'AAF' (Advanced Authoring Format) zwischen verschiedenen Plattformen austauschbar sein. Der Standard wurde von Avid, BBC, CNN, Discreet Logic, Microsoft, Quantel, Sony, Turner und anderen beschlossen. Erste Produkte sollen Mitte 2001 auf den Markt kommen.
Basierend auf klassischen EDL Daten wie IN und OUT der Szenen, Tape Nummer, werden zusätzlich die Daten für Farbkorrektur, Keyer, DVE übertragen. Das beinhaltet also die wesentlichen Einstellungen für die Effekte.
Das Format ist erweiterbar, falls ein neuer Parameter übertragen werden soll.
Andy Barmer von The Mill sieht eine Technik, welche die Entfernung von Objekten zur Kamera mißt und zusätzlich speichert. Mit diesen Daten läßt sich dann eine alternative Key Technik basierend auf der Entfernung entwickeln. Alles was mehr als 2m von der Kamera weg ist soll unsichtbar sein. Diese Technik der Entfernungsmessung ist eine Entwicklung aus dem militärischen Bereich, eine Anwendung für die Postproduktion aber denkbar. Diese Daten könnten dann als zusätzliche Information in die das AAF Metadata integriert werden.
Diese Austauschbarkeit von Projekten ist nicht nur innerhalb einer Firma interessant. Gerade wenn verschiedene Firmen (in verschiedenen Ländern) an einem Projekt arbeiten ist immer noch eine Austauschbarkeit der Daten gewährleistet. Für eine Werbekampagne lassen sich so vom Ursprungsmaterial verschiedene Länderversionen vom exakt selben Material erstellen. Der Zugriff kann hierbei wieder über ein breitbandiges Netzwerk erfolgen (Kap.5.3.1.SohoNet ).
http://www.aafassociation.org/
8.4.Plug-Ins
Als Erweiterung zu den verwendeten Plug-Ins die bestimmte Effekte erzeugen ist eine weitere Integration der Plug-Ins denkbar. Softwaremodule können dann flexibel eingekauft werden. Sogar ein Leasingmodell ist denkbar.
Für eine komplexe Produktion least eine Firma einfach drei zusätzliche Schnittsoftwarelizenzen. Für einen bestimmten Effekt kann ebenfalls eine spezielle Software die aber sonst nicht gebraucht wird ebenfalls kurzfristig geleast werden.
8.5. Hochauflösende Videonormen
In der TV-Zeichentrickserie 'Futurama', die im Jahr 3000 spielt, gibt es in einer Folge diesen Dialog:
"Du kannst doch nicht den ganzen Tag TV gucken, geh mal raus an die Luft, in die wirkliche Welt."
"Aber das ist hier ist HDTV, es hat eine bessere Auflösung als die wirkliche Welt."
In der Geschichte des Fernsehens wurde die Auflösung der Bilder ständig erhöht. Der jeweils neue Standard wurde als hochauflösendes Format bezeichnet.
Aus heutiger Sicht bezeichnet man die aktuellen Fernsehformate als SD, Standard Definition. Das sind für PAL 625 Zeilen mit 25 Bildern in der Sekunde und für NTSC 525 Zeilen mit 30 Bildern in der Sekunde.
Unter HD oder HDTV versteht man alle Auflösungen die darüber hinausgehen, sie es in der Zeilenzahl oder der Bildrate.
Das generelle Problem bei der Einführung eines neuen TV Standards ist die Kompatibilität. Beim Übergang von Schwarz/Weiß zu Farbfernsehen war eine komplette Kompatibilität gegeben. Auch die Einführung des 16:9 'Breitwand' Fernsehens im 'PAL plus' Format ist auf jedem normalen Fernseher sichtbar.
Für die Einführung einer höheren Bildauflösung ist das nicht möglich. Ein normales Fernsehgerät kann diese Bilder nicht darstellen. Ein Zusatzgerät ist denkbar, das ein HD Signal in ein SD Signal umwandelt und dann, wenn auch mit Qualitätseinbußen, auf dem heutigen TV Gerät sichtbar macht. Für den Konsumenten ist HDTV aber in jedem Fall mit einer Neuanschaffung verbunden.
Neuanschaffungen sind auch für die professionellen Anwender unumgänglich. Ein gutes Verkaufsargument ist zur Zeit das Wort 'formatunabhängig'. Es bedeutet, daß das entsprechende Gerät in der Lage ist eine Reihe von Formaten zu unterstützen. Die Anforderungen wären also das man innerhalb eines Projektes SD und HD Material verwenden kann. Ein Dokumentarfilm der in HD gedreht worden ist greift möglicherweise auf SD Archivmaterial zurück. Auch für die Ausgabe sollte es möglich sein auf SD und HD wahlweise auszuspielen.
Ein ursprünglicher analoger Ansatz ging von der Verdopplung der Zeilen des NTSC Formates aus. Das Resultat war ein Format mit 1125 Zeilen. Dieses Format war extrem teuer, unhandlich und war ein kommerzieller Mißerfolg. Als 1990 schon die Kassetten für die Aufzeichnung verwandt worden sind, wurde das analoge HDTV auf umgebauten 1Zoll MAZen gespeichert. Also, auf offenen Bandspulen. Der Preis für 90 Minuten dieses speziellen HD Spulen-Bandmaterials betrug 1000$. Auch die Kameras und Objektive waren Spezialanfertigungen und astronomisch teuer. Zudem komplett inkompatibel mit allem anderen Equipment.
Für das HDTV Signal gibt es mehrere Normen. Die ITU Norm 601 definiert SDTV(Kap2.). Für HDTV ist dies ITU-R BT 709 ( International Telecommunication Union Recommendation Broadcast Television Nummer 709). Diese Norm verdoppelt die Zeilenzahl und Bildfolge von NTSC und PAL. 1125 Zeilen mit 60 Bildern pro Sekunde und 1250 Zeilen mit 50 Bildern in der Sekunde sind das Ergebnis. Die Samplingfrequenzen für HDTV sind 5,5 mal schneller als für SDTV.
Für das Helligkeitssignal Y oder die Farbkanäle RGB beträgt sie 75,25 MHz, die Farbdifferenzsignale U und V werden mit 37,125 MHz abgetastet (SD 13,5 und 6,75 MHZ). 1125 und 1250 sind die Werte für die Gesamtzeilenzahl. 1035 und 1125 sind die eigentlich aktiven Zeilen. Die restlichen Zeilen speichern Timecode, Bildschirmtext und andere technische Hilfssignale.
Die SMPTE (Society of Motion Picture and Television Engineers) Norm SMPTE 274M bezieht sich auf 1080 aktive Bildzeilen.
Heutige HD Normen basieren ausnahmslos auf digitaler Basis.
Die heutigen HD Geräte sind nur unwesentlich teurer als vergleichbares SD Equipment.
Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Formaten, hier eine Übersicht.
Abkürzung
Auflösung
vertikal x horizontal
Bilder pro
Sekunde
progressiv=p
interlaced=i
wo
1080/24p
1080x1920
24
p
international
1080/50i
1080x1920
25
i
Europa
1035/60i
1035x1920
30
i
US, Japan
720/60p
720x1280
60
p
1080/60p
1080x1920
60
p
geplant
Alle diese Formate sind im Seitenverhältnis 16:9. Eine Liste von der Advanced Television Systems Committee, ATSC (eine Weiterführung des Begriffs NTSC von National Television Systems Committee und bezeichnet den TV Standard und die normgebende Organisation) umfaßt weitere Formate die für die oben beschriebenen noch Alternativen mit unterschiedlicher Bildrate zulassen. Um zum Beispiel zu NTSC Sendungen kompatibel zu sein die im selben Signal gesendet werden wird das 1080/60i Format auch mit einer Bildrate von 29,97 Bildern pro Sekunde akzeptiert, das auch eine 4:3 Bilddiagonale hat.
MPEG2, das Kompressionsformat das weltweit für HD Sendungen benutzt wird, sieht fünf mögliche Kompressionsmodelle basierend auf der ITU-R-BT 709 Norm vor.
Profile à
Simple
4:2:0
I,B
Main
4:2:0
I,B,P
Spatial
4:2:0
I,B,P
High
4:2:0, 4:2:2
I,P,B
Level â
High
1920 x 1152
80 Mb/s
1920 x 1152
100 Mb/s
High 1440
1440 x 1152
60 Mb/s
1440 x 1152
60 Mb/s
1440 x 1152
80 Mb/s
Main
720 x 570
15 Mb/s
720 x 576
15 Mb/s
720 x 576
20 Mb/s
Low
352 x 288
4 Mb/s
Kombiniert man diese möglichen Normen mit jeweils der einfachen und doppelten, PAL und NTSC Bildfolgen, kommt man auf eine hohe Zahl. In der Praxis gibt es aber immer noch 21 verschiedene mögliche sinnvolle Kombinationen, die ein ATSC Receiver umsetzen können muß.
Folgende Bandformate werden für HD zur Zeit genutzt.
Format
Hersteller
Datenrate ca.
D6
Philips
128 MB/s
D5
Panasonic
40 MB/s
Hdcam
Sony
40 MB/s
DVCproHD
Panasonic
15 MB/s
Vieles spricht für die Verwendung des 1080/24p Standards in der Postproduktion.
Hierbei handelt es sich um ein Bildformat mit 1080 Bildpunkten (Pixeln) in vertikaler und 1920 Pixel in horizontaler Richtung. Das ganze läuft mit 24 Bildern pro Sekunde ab, die allerdings progressiv dargestellt werden. (progressiv = fortschreitend). Das heißt jede Bildzeile wird nacheinander dargestellt. erst Zeile 1 dann Zeile2,3,4,5,6...1080, für ein Einzelbild. Das klingt zwar logisch, doch die heutigen Fernsehnormen PAL und NTSC machen das nicht. Hier werden zwei Halbbilder nacheinander dargestellt. Im ersten Halbbild Zeilen 1,3,5,7usw. Das zweite Halbbild stellt die Zeilen 2,4,6,8 usw. dar. Der englische Begriff für dieses Verfahren ist interlaced.
Das ist bis heute so weil frühere Bildröhren (50er Jahre)nicht so lange nachleuchten konnten. Hätte man früher die Bilder progressiv abgespielt, wäre der obere Teil des Bildes bereits wieder dunkel geworden, bevor das ganze Bild dargestellt ist. Beim nächsten Bild würde die Bildröhre wieder aufleuchten. In laufenden Fernsehbild würde das störendes Flackern hervorrufen. Diese Technik wurde außerdem benutzt um die Bandbreite des Signals zu verkleinern, weil durch diese Technik ein weitgehend flimmerfreies Bild erzeugt werden konnte ohne die Bildwiederholrate zu erhöhen. Durch die Darstellung von jeweils nur der Hälfte der Bildinformation ist auch die Auflösung nur halb so groß. Diesen Effekt nennt man Interlace Faktor. Die ersten TV Geräte der 20er und 30er Jahre, mit einer drehenden Lochscheibe, stellten das Signal übrigens auch schon progressiv dar. allerdings nur mit einem guten Dutzend Zeilen.
Bei Computermonitoren hat man von Anfang an auf progressive Darstellung gesetzt, ein Computerbild wirkt deswegen auch ruhiger und schärfer. Bei der Darstellung von Interlaced Video kann es zu unerwünschten Kammeffekten komme. Beide Halbbilder werden gleichzeitig dargestellt, bewegte Objekte waren bei der Aufnahme des ersten Bildes aber an einer anderen Stelle als beim zweiten. Beim Schritt zum höherauflösenden Fernsehformat hat man daher eine progressive Abtastung vorgesehen.
Mit dem 1080/24p Format hätte man auch einen Film kompatiblen Standard. Film wird weltweit ebenfalls mit 24 Bildern pro Sekunde genutzt. Ein Unterschied zwischen den Formaten PAL und NTSC würde ebenfalls wegfallen. Der 24p Standard läßt sich zudem leicht in die SD Formate mit 25 und 29,97 Bildern in der Sekunde umwandeln, basierend auf der Technik die auch zur Übertragung von Filmmaterial benutzt wird.
Die progressive Darstellung mit 24 Bildern in der Sekunde hat allerdings den Nachteil relativ viel Zeit zwischen den einzelnen Frames zu lassen. Eine schnelle Bewegung kann dadurch ruckartig aussehen. Daher ist mit dem 1080/60p schon ein Nachfolger für das Format geplant, das noch nicht einmal richtig eingeführt ist. Bei diesem Format werden 60 Bilder pro Sekunde progressiv dargestellt, dabei werden allerdings mehr als doppelt so viele Daten anfallen als mit 24 Bildern pro Sekunde.
Aus Sicht der Postproduktion wird klar warum formatunabhängig ein wichtiges Ausstattungsmerkmal ist. Wenn selbst die normgebenden Organisation mehrere verschiedene Standards veröffentlichen und bereits jetzt vier unterschiedliche Tapeformate die mit verschiedenen Bildraten und Auflösungen arbeiten können existieren. Unter diesen Voraussetzungen investiert man ungern in ein Gerät bei dem man nicht sicher sein kann, daß es auch für die entsprechenden Videostandards verarbeiten kann.
8.6. High End oder Underground? Elite oder Basisdemokratie?
Das Aufkommen der leistungsfähigen Standard PCs und die nahezu durchgehende 'Digitalisierung' der Postproduktion haben die Struktur der Firmen umgekrempelt. Waren vorher noch Investitionen in Preisbereichen eines (großen) Eigenheims notwendig um einen Schnittplatz zusammenzustellen, der auch Effekt- und Grafikbearbeitung zuläßt, so ist dies heute im Preisbereich eines Mittelklassewagen realisierbar. Bei den Videorecordern (MAZ) muß man nicht mehr drei teure Geräte kaufen. Eine (digitale) Maschine reicht aus. Im DVCpro oder DVcam Format ist der Einstandspreis nochmals niedriger als zum Beispiel bei Digital Betacam.
Denkbar sind am unteren Ende der Investitionsskala Ein-Personen-Firmen, etwa freie Mitarbeiter für größere Firmen, die mit etwa 5000€ einen PC mit Softwarelizenzen bekommen können. Das Video wird über austauschbare Datenträger, oder gar per Netzwerk überspielt. Die Bearbeitung erfolgt rein per Software, über Nacht berechnet der Computer die fertigen Effekte und schickt sie idealerweise automatisch an den Auftraggeber zurück.
Natürlich gibt es weiterhin Geräte die alleine in der Eigenheim Preiskategorie zu finden sind. Ihr Einsatz wird aber auf die High End Betriebe beschränkt bleiben. Nichtsdestotrotz wenden sich die finanzstarken Kunden auch Firmen zu die nicht über das extrem teure Equipment verfügen. Diese 'neue' Gattung von Firmen kommt eher aus dem Designbereich und setzen auf die Kreativität der Mitarbeiter als Argument für Ihre Produkte, anstatt mit technischer Ausstattung. Angeboten wird 'Bewegtbilddesign', 'Motion Typography', oder etwa ein 'integrierter Design und Bewegtbild Service'.58
Firmen wie 'Smoke&Mirrors' in London oder 'Imaginary Forces' in Hollywood gehören zu den Pionieren, wenn es um die Integration klassischer Grafikdesignelemente in die Film- und Videobearbeitung geht. Diese Firmen verfügen über einen Gerätepark der High-End Klasse.
Konkurrenz bekommen sie von früheren reinen Grafikfirmen und Neugründungen.
'Razorfish' zum Beispiel ist eine weltweit operierende Firma, die sich auf Webdesign spezialisiert hat. Mit 1600 Mitarbeitern weltweit nicht gerade eine kleine Firma. Durch das Aufkaufen von kleinen, auf TV Design spezialisierte Firmen konnte sich die Firma unter anderem auch den Auftrag für den neuen 'On-Air-Look'' von 'Arte' sichern. Dieses TV Design soll aber nicht ein paralleler Zweig der Firma bleiben, vielmehr arbeitet man an der Integration von Internet und Fernsehen. Wenn eine breitbandige Vernetzung in den Haushalten vorhanden ist, kann das Internet tatsächlich auch die Funktionen des Fernsehens übernehmen.
Als Software stellt 'Flash' der Firma 'Macromedia' eine Brücke zwischen Design und TV. In diesem Programm können grafische Elemente animiert werden. Vorrangig für bewegte Internetgrafik genutzt findet es auch mehr und mehr Anwendung in der Videobearbeitung. 'Phaze Two' aus Köln setzte Flash zum Beispiel für die Produktion Kinderprogrammtrailern für RTL ein. Razorfish entwickelte ein interaktives Fernsehformat ebenfalls mit Flash. Generell wird Flash auch bei vielen Grafikabteilungen der TV Sender in Amerika eingesetzt.
Dieses Programm führt die Disziplinen Multimedia-, Print- und TV-Designer zusammen.
Ein Konzept das auch die Londoner Firma ‚Intro‘ vertritt. Für ein Video der Gruppe ‚Primal Scream‘ wurde ein durchgehendes Design entwickelt, das sich In der CD Hülle, im Videoclip und auf der Internetseite wiederfinden läßt.
Adrian Slaughnessy als einer der Gründer von Intro hatte anfangs Schwierigkeiten die Kunden von diesem Konzept zu überzeugen. In den vergangenen Jahren hat die Akzeptanz aber im gleichen Maße zugenommen wie die Grenzen zwischen klassischem Design und TV Produktion verschwommen sind. Slaughnessy faßt die Entwicklung so zusammen: "Die Bands sollten über alle Medien hinweg einen durchgängigen Auftritt haben. momentan ist das unmöglich, da es zwischen TV- und dem Printbereich keine Verbindung gibt. Die digitale Technik führt dazu, daß diese Barriere fällt. Künftig werden Grafik Designer Filme machen."
Diese Perspektive führt natürlich auch zu neuen Formen des Fernsehens selbst. Interaktive Programme, bei denen der Zuschauer bestimmte Auswahlmöglichkeiten hat, oder etwa ein zeitunabhängiger Abruf von Programmen. Anstatt Rundfunk (Broadcast) wird es dann ein sogenanntes 'Multicast' geben, das die Gleichzeitigkeit des Rundfunks aufheben wird. Dabei kann ein und dasselbe Programm von jedem Zuschauer zu jeweils anderen beliebigen Zeitpunkten abgerufen werden.
Auf Seiten des Zuschauers wird sich das alles wie mit der Fernbedienung eines Fernsehers heute bedienen lassen. Ein Internet PC und komplizierte Programme und ein Einwählen entfallen dann. Der Nachfolger des 'Internets' wird das 'Evernet' sein, ein 24 Stunden mit dem Internet verbundener Haushalt. Über Funk werden alle möglichen Geräte gesteuert. Eine 'Fernbedienung' zeigt die aktuellen Sendungen an, die man per Knopfdruck auswählen kann. Ein Eintippen von Internetadresse oder ähnliche 'Hürden' der PC Benutzung werden in den Hintergrund treten.
Medien- und Internetfirmen suchen vermehrt die Zusammenarbeit. Die Beispiele von AOL/ Time –Warner und die Zusammenarbeit von ZDF und Microsoft sind nur die bekanntesten Beispiele.
Eine Gefahr besteht darin, daß man von bestimmten Inhalten ausgeschlossen ist, wenn man Kunde einer bestimmten Anbieterallianz ist.
Bezieht man sein 24 Stunden 'Evernet' beispielsweise über Microsoft, so kann man auf der intelligenten Fernbedienung automatisch die aktuellen Sendezeiten der 'heute' Nachrichten ersehen. Die Tagesschau vom 'Konkurrenzsender' ARD wird man nicht empfangen können, da kein entsprechendes Abkommen mit Microsoft besteht.
Ein 24 Stunden Internet mag aus heutiger Sicht überflüssig erscheinen, wenn man sich aber vorstellt nur für einige Stunden am Tag Strom in der Wohnung zu haben, wie noch in den 30er Jahren üblich, erscheint uns das heute als undenkbar.
Die gesamten Haushaltsmaschinen und Unterhaltungsgeräte werden mit Evernet Technologie ausgestattet sein. Nicht selten werden diese auch irgendeine Form von Display haben, das mit Bildern gefüllt werden muß. Der Kühlschrank, der Rezepte und deren Umsetzung auf der Außenseite anzeigt, passend zum aktuellen Inhalt.
Für fast alle Internetangebote ist auch eine mit bewegten Bildern versehene Version denkbar.
Ein extrem großer Bedarf an entsprechenden 'integriertem Design und Bewegtbild-Service' kann für die Evernetperiode vorausgesagt werden.
Bis dahin werden allerdings heutige Studenten ihren Enkeln erzählen können: "Als ich Student war habe ich noch mit echtem Film gearbeitet."
Francis Coppola der schon vor Jahren seine Visionen des 'Electronic Cinema' formulierte und von der Demokratisierung des Filmemachens durch digitale Camcorder spricht, sagte nach der Entwicklung der digitalen Technik in allen Gebieten der Filmproduktion gefragt:
"I knew it would happen all along"
(Ich wußte das es genauso passieren würde.)
Quellenangaben
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- http://www.macromedia.com/
- c't Magazin 6/2001, S.158 c't Magazin für Computertechnik, Heise Verlag, http://www.heise.de/ct/
- Digital Filmmaking, The Changing Art and Craft of Making Motion Pictures, Thomas A. Ohanian, Michael E. Phillips, Focal Press, 1996, ISBN 0-240-80219-5, S.249
Vielen Dank für zusätzliche Unterstützung an:
(In der Reihenfolge der Kapitel)
Quantel Kurse bei Götz Meyer, April 1999 und Quantel Deutschalnd, Juli 1999
DS Kurs mit Richard Hingley, Hamburg, Juni 1999
Studiosysteme Schell, Berlin, DS Training mit Daniel Stübner, sowie die Möglichkeit intensiver DS Systemnutzung
Avid Japan, Masao Takahashi, Asst. Director, Nobuku Tanji, Supervisor Technical Department, Seigo Furuta, Technical Support Engineer für die Nutzung des DS Systems und anderer Avid Schnittsysteme.
Thomas Tannenberger und Manfred Büttner, Das Werk, München
Andy Barmer, Facility Director, The Mill, London
Penny Verbe, Facility Director, Smoke & Mirrors, London
Garreth Wradden, Managing Director von SohoNet, Sept.1999
für die Interviews
Eidesstattliche Erklärung
Diese Diplomarbeit ist von mir, Thomas Schick, eigenständig verfaßt worden.
Außer den genannten Quellen und Hilfsmittel sind keine anderen benutzt worden.
Irrtümliche Angaben vorbehalten.