6. Produktionskonzept mit 3 'Allround' Maschinen
Fast jede Postproduktionsfirma verfügt über Schnitträume, ein Tonstudio und eine Grafikabteilung. Als Beispiel soll eine Firma mit je einem dieser Studios dienen. Ein größerer Auftrag stellt diese Firma vor Probleme. Am Anfang der Produktion würde mehr als ein Schnittraum benötigt werden. Doppelschichten am bestehenden System sind zwar möglich, aber die Kapazität eines Systems ist begrenzt. Der Auftrag läßt sich dann nur in einer längeren Zeit bearbeiten. Ein weiteres Schnittsystem anzuschaffen ist mitunter unrentabel, da nicht ständig große Projekte, wie zum Beispiel ein Spielfilm, bearbeitet werden müssen. Zu dieser Zeit stehen Ton- und Grafikstudio möglicherweise leer, da der vorige Auftrag bereits abgeschlossen ist.
Die Situation ist unflexibel. Im Tonstudio kann man nun mal keinen Film schneiden. Werden allerdings zwei Projekte gleichzeitig im Schnitt fertig ist die Grafikabteilung überlastet, da für beide Produktionen gleichzeitig Effekte erstellt werden müssen. In großen Produktionshäusern besteht oft eine Alternative, da einfach mehr Technik vorhanden ist. Das Problem Studios leerstehen zu lassen, weil zur Zeit keine Nutzung gefunden werden kann besteht hier aber auch.
Ein System das Bearbeitungsschritte wie Off- und Online Editing, Grafik und Effektbearbeitung und Tonmischung auf einem Gerät realisiert wäre die Lösung des Problems.
Statt einen Schnittplatz, ein Tonstudio und ein Grafikstudio anzuschaffen, kann man statt dessen drei 'Allround' Plätze kaufen.
Die hier beschriebene Produktionsmethode funktioniert nur wenn die drei Systeme vernetzt sind und auf die gleichen Daten zurückgreifen können. Ein Storage Area Network, SAN (Kap.2.6.) ist dafür allerdings die Voraussetzung.
Um den speziellen Anforderungen der Tonmischung oder der Grafik gerecht zu werden kann man die Räume mit externen Geräten zusätzlich spezialisieren. Für die Grafik beispielsweise mit einer Reprokamera und für das Tonstudio mit zusätzlichen Audioeffektgeräten und einem größeren Mischpult und besseren Lautsprechern.
Trotz dieser Zusatzgeräte im Raum ist es immer noch möglich alle Schritte einer Produktion in jedem Raum auszuführen. Kommt ein großer Auftrag wie ein Spielfilm zum Beispiel kann am Anfang der Produktion an allen drei Plätzen gleichzeitig digitalisiert werden. Nach einigen Tagen kann ein Platz die neuen Muster digitalisieren und gegebenenfalls synchron anlegen, während an einem anderen Platz ungestört weiter am Feinschnitt gearbeitet werden kann. Nach Beendigung des Drehs findet der Schnitt nur noch in einem Raum statt. Die beiden anderen Plätze stehen nun für die Erstellung von Grafik und Titeln zur Verfügung.
Ist der Schnitt beendet kann die Tonmischung ebenfalls parallel erfolgen. Eine Vor- oder Dialogtonmischung kann in einem beliebigen Raum stattfinden. Eine Endmischung kann dann in dem spezialisierten "Tonstudio" stattfinden, das neben der speziellen Audioausstattung möglichst auch über eine angepaßte Akustik und gute Monitorlautsprecher verfügt.
Nichtsdestotrotz sind am Tag zuvor in dem 'Tonstudio' noch die komplexen Titel für die Abspannsequenz erstellt worden.
Ein solches System sollte es erlauben von mehreren Operatoren benutzt zu werden ohne auf die spezielle Arbeitsumgebung des anderen zurückgreifen zu müssen. Am Beispiel der Filmmusik soll das näher beschrieben werden.
Nehmen wir an es handelt sich um eine 32 Spur Aufnahme eines Symphonieorchesters. Der Schnittmeister muß aber nicht mit 32 Spuren arbeiten. Er 'sieht' nur einen Clip Tonmaterial, das man wie jedes andere Rohmaterial beliebig im Film einsetzen kann. Das dieser Clip 32 Spuren Ton enthält, die noch von einem Tonmeister gemischt werden muß ist beim schnitt ohne Belang. Für den Tonmeister seinerseits entfällt die Arbeit ein zum Schnittsystem kompatibles Format zu finden auf das die Mischung ausgespielt werden kann.
Der Tonmeister kommt über die Tonmenüs des Gerätes an die einzelnen Spuren der Aufnahme heran und kann innerhalb der 32 Tonspuren eine endgültige Mischung finden. Speichert er diesen Arbeitsschritt wird das Material auf der Festplatte auf diesen neuen Stand gebracht. Das gleiche Material das bereits im Film eingeschnitten ist greift auf diese Daten zurück, wenn die Musik im Schnitt abgespielt wird.
So ist es also möglich eine noch nicht gemischte Filmmusik in den Film zu schneiden, ohne zusätzliche Arbeit für die beteiligten Ton- und Schnittmeister wenn die Mischung fertig ist.
Das Stück Filmmusik das vom Schnittmeister unterlegt worden ist repräsentiert diese Tonmischung. Ändert der Tonmeister seine Mischung, so wird diese auch im Schnitt aktualisiert. Schließlich sind es die selben Daten.
Gleiches gilt auch für Effektsequenzen. Diese können in den Film eingeschnitten werden, auch wenn sie nicht bearbeitet sind. Arbeitet der Effektspezialist an der Sequenz, dann ist diese auch im Schnitt enthalten.
Die hier erwähnte Flexibilität ist aber nur gegeben, wenn man 3 identische Systeme einsetzt. Nur so wird der Prozeß vollkommen kompatibel ohne die Notwendigkeit Material nochmals in eine Anwendung zu laden, einen Namen zu vergeben etc. Benutzt man zwei unterschiedliche Geräte funktioniert es nicht 32 Tonspuren als einen Clip zu bezeichnen und dementsprechend verarbeiten zu können. Mit einem erweiterten Austauschformat zwischen den verschiedenen Systemen wird bereits eine größere Kompatibilität erreicht (Kap.8.3.Metadata). Obwohl ein Import von Material verschiedener Medienformate möglich ist, muß ein Endprodukt wieder ausgegeben werden und dann am anderen Gerät wieder eingelesen werden. Außerdem muß man beim Beispiel der Tonmischung warten bis diese fertig gestellt ist, dann erst kann man sie importieren und die Musik unter den Film schneiden. Hat man vorher bereits eine Vorabversion benutzt muß man die entsprechenden Clips aus dem Film löschen, die neuen Clips der Mischung müssen wieder nach den gewünschten Passagen abgesucht werden und dann synchron zur vorher benutzten Version Im Film eingepaßt werden. Alles in allem eine zusätzliche Konzentrationsaufgabe, die man sich sparen könnte besäße die beteiligten Systeme eine direkte Möglichkeit des Datenaustausches bzw. gleichzeitigen Zugriffs auf die selben Daten.