5. Typisch untypische Firmen

Alle Firmen die in diesem Bereich tätig sind haben die gleiche Grundlage. Sie besitzen Geräte einer kleinen Zahl von Herstellern und bieten diese Geräte an, um Film- und Fernsehproduktionen zu schneiden und mit Effekten und Grafik zu versehen.

Trotz dieser gleichen Ausgangslage für die Branche haben sich unterschiedlichste Firmen und Angebote gebildet. Die hier vorgestellten Firmen stellen sicher extreme dar. Extrem groß, bekannt oder beliebt. Aufgrund der gleichen Grundlage gilt ähnliches auch für alle anderen Firmen die hier nicht erwähnt werden.

Der menschliche Faktor spielt natürlich auch eine Rolle. Regisseur X schwört auf Firma A und verabscheut Firma B, die vom Produzenten Y absolut bevorzugt wird.

Hat man einen neuen Kunden und das Projekt läuft gut, ist die Wahrscheinlichkeit groß das er wieder kommt. Passiert ein Fehler bei einem Neukunden wird dieser ungern nochmals die gleiche Firma nutzen. Ein Stammkunde wird die ansonsten gute Zusammenarbeit zu schätzen wissen und über einen Ausrutscher hinweg sehen.

Insbesondere für regelmäßige Produktionen werden oft Verträge ausgehandelt die Kunde und Postproduktion über einen bestimmten Zeitraum aneinander binden.

Hier werden eher bekannte Firmen vorgestellt, aber nicht nur die 'Industriegiganten', sondern auch kleine spezialisierte Firmen.

Um das Spektrum neuer Entwicklungen bei der Postproduktion abzudecken werden im Kap.8.6. neue Firmenkonzepte vorgestellt.

 

5.1. Das Werk, München

'Das Werk' kann als einer der Vorreiter für digitale Postproduktion in Deutschland gelten. Seit der Gründung 1991 hat man ständig expandiert. Mittlerweile ist 'Das Werk' in Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg und zuletzt auch in Berlin vertreten, mit einer weiteren Filiale ab Mitte 2001 auch in Zürich. 1998 wandelte sich die Geschäftsform in eine Aktiengesellschaft um. Internationale Übernahmen von und Beteiligungen an Firmen wie 'Glassworks', London; 'Max' ,Brüssel und 'Centropolis FX',USA festigten die Marktposition. Dabei ist die Firma immer noch unabhängig und nicht von einem größeren Medienkonzern aufgekauft worden.

Das Angebot der Firma deckt den kompletten Bereich von Produktion bis zur Distribution. Die Betonung liegt aber auf der digitalen Bearbeitung von Bildern für Film, Werbung oder Video Clips. Die Filmproduktion liegt bei der 'Road Movie' genannten Firma von Wim Wenders.

Bekannte Produktionen sind zum Beispiel 'Buena Vista Social Club'. Die Filmtitel für 'Lola rennt'. Oder Effekte für 'Comedian Harmonists', die hier näher besprochen werden sollen. Darüber hinaus wurden zahllose Werbefilme und Video Clips, insbesondere für deutsche Auftraggeber erstellt.

Hier soll die Filmbearbeitung bei 'Das Werk' in München betrachtet werden. Am nördlichen Stadtrand von München, auf einen alten Industriegelände befinden sich die Studios vom 'Werk'. Auf zwei Gebäude verteilt findet sich in einem die 'TV Werk' Abteilung, die wie der Name schon sagt vornehmlich für regelmäßige Fernsehsendungen produziert. Im anderen Gebäude befindet sich 'Das Werk'. Hier werden die Grafik- und Effektlastigen Produktionen wie Werbefilme und Videoclips erstellt. Dort steht auch ein Quantel Domino System, das zur digitalen Filmbearbeitung verwendet wird.

Wie im Quantel Kapitel (4.3.) erwähnt besteht das Filmbearbeitungssystem aus einem Scanner und Ausbelichter sowie der eigentlichen digitalen Bearbeitungsstation. Die anderen Maschinen zur Filmbearbeitung erfordern externe Scanner und Ausbelichter anderer Anbieter.

In München hat man das System auf drei Räume verteilt. Ein Technikraum in dem sich Scanner, Ausbelichter und das eigentliche Rechnersystem mit der Speichertechnik befinden. In diesem Raum steht auch eine D1 MAZ. Auf der anderen Seite war noch Platz, also hat man hier auch gleich das Archiv für die D16 Bänder untergebracht. (D16 siehe Kap.4.3.).

In den beiden anderen Räumen findet die Bearbeitung statt. Dabei ist ein Raum darauf ausgelegt mit den anwesenden Kunden zu arbeiten, der andere ist kleiner und für 'einsames' Arbeiten gedacht.

Bei den Arbeiten zum Film 'Comedian Harmonists' handelt es sich um gutes Beispiel einer komplexen und umfangreichen Effektbearbeitung. Die Produktion fand zu einer Zeit statt als die digitale Bearbeitung für Filme noch alles andere als selbstverständlich war. Thomas Tannenberger, damals Supervisor für die Effekte des Films hatte viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Oft war er auch bei den Dreharbeiten anwesend um die Szenen so aufzunehmen das sie eine effektive Nachbearbeitung erlauben. So konnte bei vielen Szenen eine Enttäuschung bei der Bearbeitung vermieden werden. Aus Sicht der bearbeitenden Firma immer eine schwierige Situation. Insbesondere wenn Kameramann oder Regisseur auf einer Drehsituation bestehen, welche die Effektbearbeitung erschwert oder gar unmöglich macht. (siehe auch Harrison Ellenshaw Abschnitt Kap.3.4.).

Die folgende Szene zeigt das selbst bei bester Vorbereitung unvorhergesehenes passieren kann. Bei dieser Szene im Film kommen die Sänger der Comedian Harmonists im New Yorker Hafen an. Etwa 5000 Matrosen hießen die Sänger willkommen während sie von Bord gehen und am Kai auf eine Tribüne steigen.

Am Set gab es ein Schiff der US Marine, das in New York als Museumsschiff vor Anker liegt. Das Problem war die 5000 Statisten zu organisieren. Eine solch große Zahl von Statisten würde extrem hohe Kosten verursachen. Digitale Bearbeitung ist für eine solche Szene wesentlich billiger.

 

Hierzu wurde die sogenannte 'Crowd Replication' Technik eingesetzt. Eine Technik bei eine spezielle Paintfunktion verwendet wird. Anstatt eine Farbe aufzutragen 'kopiert' der Pinsel vorher bestimmte andere Elemente des Bildes, bzw. legt Bereiche eines anderen Bildes frei(Kap.3.4.).

Damit diese Funktionen sinnvoll eingesetzt werden können müssen schon beim drehen der Szenen einige Aspekte beachtet werden.

Dabei bleibt die Kamera auf einem festen Platz stehen, (oder führt computergesteuert bei jedem neuen Take die exakt gleiche Bewegung aus (Motion Control)). Mit etwa einhundert Statisten werden dann mehrere Durchgänge der Szene gedreht. Bei jedem neuen Durchgang stehen die Statisten an einer anderen Stelle im Bild. So das alle Szenen zusammen genommen den Eindruck erwecken, daß tatsächlich 5000 Matrosen die Sänger willkommen heißen.

Die Szene mit den eigentlichen Schauspielern dreht man am besten so, das sie von Statisten sprich Matrosen, umgeben sind. Wahrscheinlich wird der Zuschauer genau auf die Stelle im Bild schauen, an der die Hauptdarsteller durch die Menschenmenge gehen. Sind die tragenden Rollen von Statisten umgeben muß man in diesem wichtigsten Teil des Bildes nicht unnötig tricksen.

Oft wird noch einmal das Set ganz menschenleer gedreht, um einen vollständigen Hintergrund als Sicherheit zu haben im Falle das irgendein Detail in den anderen Aufnahmen von Filmtechnik oder anderen unerwünschten Bildteilen abgedeckt ist. Mit Hilfe der leeren Szene kann man jeden beliebigen Bildpunkt wieder in den Hintergrund verwandeln.

Stellt man sich vor das man (vereinfacht) eine Reihe Menschen vor eine andere stellt so muß man bei der vorderen Reihe exakt die Schulter- und Kopflinie ausschneiden, damit die hintere Reihe komplett sichtbar ist. Um dieses komplizierte und langwierige Verfahren zu vermeiden werden 'Green Screens' hinter jede Reihe gestellt. Diese können dann mit einem Key versehen werden und somit den Umriß der Köpfe freistellen und das sogar wenn sich die Reihe der Statisten bewegt. Bei den 'Green Screens' handelt es sich um eine Rahmenkonstruktion die komplett mit grünem (oder blauen) Filz überzogen wird. Bei der Aufstellung versucht man möglichst zu vermeiden das die Stützkonstruktion sichtbar ist, da diese später wieder separat retuschiert werden müßte. Der grüne (oder blaue) Hintergrund läßt sich dagegen mit einem Key (Blue-Green-Keyer) einfach entfernen.

Wichtig dabei ist natürlich das die Kameraposition unverändert bleibt, da sonst ein Überlagern der Bilder nicht ohne Korrektur der Bildposition möglich ist. Falls sich die Kameraposition extrem ändert ist ein Überlagern der einzelnen Durchgänge zwar möglich aber durch die veränderte Perspektive der Kamera kann kein realistischer Eindruck erzeugt werden. Die einzelnen Elemente würden sich gegeneinander bewegen, einen anderen Schattenwurf haben etc. Um eine Bewegung für einen solchen Effekt zu realisieren muß die Kamera bei jeder Szene die exakt gleiche Bewegung ausführen. Um dies zu realisieren gibt es computergesteuerte Kamerakräne, die in der Lage sind eine bestimmte Kamerafahrt beliebig oft exakt zu wiederholen. Diese Technik wird Motion Control genannt. Dann müssen die einzelnen Szenen nur noch am Anfang der Kamerafahrt, 'bewegungssynchron' angelegt werden.

In der fertigen Szene ist das Schiff im rechten Drittel des Bildes zu sehen, der Kai im Rest des Bildes. Während der Vorbereitungen war Thomas Tannenberger besorgt das die Bewegungen des Schiffs ein Problem beim Überlagern der einzelnen Durchgänge bedeuten könnte. Nachdem er sich bei verschiedenen Hafen- und Marinespezialisten versichert hat, daß das Schiff fest verankert sei wurde die Szene in ihren Durchgängen gedreht. Wie sich später herausstellen sollte bewegte sich das Schiff trotz Verankerung doch (wahrscheinlich durch die Gezeiten). Bei der ersten Fassung des fertigen Tricks sieht man das die Matrosen auf dem Schiff sich über die gesamte Länge des Effektes leicht nach oben bewegen. Allerdings hielt sich die Bewegung in einem kleinen Rahmen und konnte bei der Endfertigung kompensiert werden.

Die Wirklichkeit am Drehort ist immer unvorhersehbar. Mit einer präzisen Planung der Effektsequenzen kann man allerdings versuchen die möglichen Überraschungen klein zu halten, so daß sie in der Nachbearbeitung kompensiert werden können. In der Szene sieht man im fertigen Film also etliche Layer mit einem Key versehen und farbkorrigiert, sowie bewegungskompensierte (Kap.3.5.Tracking) Layer von Matrosen auf dem Schiff. Eine aufwendige Szene, die aber die Geschichte des Films stützt, weil sie die Beliebtheit der Comedian Harmonists in Amerika eindrucksvoll illustriert.

In allen Szenen die in New York spielen wurde an Originalschauplätzen gedreht. In der Nachbearbeitung wurden dann 'verräterische' Element die nicht in die dreißiger Jahre passen entfernt. Dazu gehören zum Beispiel Neonreklamen, Mobiltelefonantennen, die Skyline moderner Gebäude etc. Dies kann relativ einfach umgesetzt werden wie beim Kap3.4. unter Wire Removal beschrieben. Es spielt prinzipiell keine Rolle ob nun Halteseile oder Wolkenkratzer aus dem Bild verschwinden solle. Grundsätzlich werden die unerwünschten Bildteile mit benachbarten Pixeln überlagert. Das können zum Beispiel auch Teile des Himmels sein. Bei komplexen Strukturen kann man auch die Stelle aus einem zeitlich früheren Bild kopieren, wenn dieses Bild an der Stelle nicht von den ungewünschten Teilen überdeckt wird, und über ein späteres Bild legen.

Steht die Kamera bei diesen Szenen an der gleichen Position kann der Prozeß relativ zügig erledigt werden, da sich die zu entfernenden Teile nicht bewegen. In einer Szene mußte das Team vom 'Werk' allerdings jedes Einzelbild bearbeiten. In dieser Szene fahren zwei der Sänger auf einer Fähre vor der New Yorker Skyline entlang. Die Szene wurde auf der Fähre und mit Handkamera gedreht, während die ganze Zeit die Skyline der 90er Jahre zwischen den Schauspielern zu sehen ist. Um diese Bilder zu retuschieren mußte jedes Bild einzeln bearbeitet werden. Die Bewegung von Kamera und Schiff ließ keine Hilfe durch automatisierte Prozesse zu. Durch die Bewegung von Handkamera und Schiff relativ zueinander bewegten sich die unerwünschten Teile der Skyline zufällig hin und her. Außerdem schwankten die Schauspieler auch auf dem Schiff und deckten teilweise die Skyline ab und gaben sie dann wieder frei.

In diesem Fall kann man nicht viel tun um die spätere Arbeit zu erleichtern, die Probleme sind ja auch recht einfach zu lösen. Es ist lediglich eine Fleißaufgabe, da jedes Bild einzeln bearbeitet werden muß.

Anders bei der Szene an der einer der Schauspieler an einem Grab Blumen niederlegt. Diese Szene wurde im Sommer auf einem realen Friedhof gedreht. Laut Drehbuch soll die Szene aber im Winter spielen. Diese Szene war bereits gedreht bevor 'Das Werk' in die Produktion eingestiegen ist, so das der Vorschlag die Szene als Green Screen Aufnahme zu drehen zu spät kam.

Also war die Aufgabe nun einen braungebrannten Schauspieler auf einem Friedhof im Sommer, in einen von der Kälte ausgezehrten Sänger am gleichen Grab kniend an einem nebligen Wintertag zu verwandeln.

Im Falle einer Green Screen Aufnahme hätte man den Schauspieler leicht freistellen können und dann an jeden beliebigen Ort (Hintergrundbild) wieder einsetzen können.

Mit einer Farbkorrektur am Schauspieler kann man leicht den bleichen, fröstelnden Menschen glaubwürdig darstellen. Für den Hintergrund wurde auf Basis der Originalszene ein Matte Painting angefertigt. Oft auch im digitalen Zeitalter ein handgemaltes Hintergrundbild.

Das Problem war nun den Schauspieler in das Bild einzupassen, da keine Möglichkeit bestand eine 'Traveling Matte' (bewegte Keymaske, wie bei Blue-Green Keyern möglich Kap.3.1.8.) vom Schauspieler zu erzeugen mußte die Anpassung Bild für Bild erfolgen. Das Ergebnis konnte zwar überzeugen irgendwie erschien die Szene aber zu statisch. Ein Grafiker hatte bereits einen Vogel als Modell in einem Computeranimationsprogramm erstellt und animiert.

Diesem Tier wurde eine dunkle Farbe verpaßt und es wurde in den Hintergrund der Szene mit eingearbeitet. Fortan fristete der Vogel nun als 'Nebelkrähe' sein Dasein in der nebligen Friedhofsszene. Nur ein kleines Detail, unsere Wahrnehmung wird damit jedoch darüber hinweg getäuscht das der Hinterrund nur gemalt ist. In einem gemalten Hintergrund kann ja kein Vogel herumfliegen.

Die Wettersituation im Winter ließ auch einen statischen Hintergrund zu. Eine Szene mit einem Herbststurm im Hintergrund wäre kaum glaubhaft mit einem statischen Hintergrundbild in Szene zu setzen.

Nach der Fertigstellung waren der Regisseur und sein Team überzeugt von der Leistungsfähigkeit und den Möglichkeiten die diese Art der Bildbearbeitung für eine Geschichte haben können. Zu dieser Zeit bestand aber auch eine große Skepsis gegenüber digitaler Bildbearbeitung, vor allen Dingen in Deutschland. Nicht zuletzt der finanzielle Aspekt wurde in den Vordergrund gestellt. "Diese Art der Bearbeitung ist zu teuer." War das Vorurteil, das sich aus frühen kommerziellen Mißerfolgen wie zum Beispiel den ersten, fast vollständig im Computer entworfenen Film 'Tron' gebildet hatte. 'Das Werk' ist deshalb das Risiko eingegangen verbindliche Preiskalkulationen für z.B. Comedian Harmonists abzugeben, die nach Angaben von Manfred Büttner, dem damaligen technischen Leiter, auch eingehalten werden konnten.

Die beschriebenen Effekte stammen alle aus der Kategorie die einen Realitätseindruck vermitteln wollen. 'Das Werk' erstellt aber auch Produktionen mit bewegter Typographie und anderen grafischen Elementen, vor allen Dingen für Musikvideos und Werbung.

Die gesamte Leistung der 'Das Werk' AG wird allgemein positiv bewertet, so das, nebenbei bemerkt, viele Finanzinstitutionen die Aktie zum Kauf empfehlen.

www.das-werk.de

 

5.2. Soho, London

Das Viertel Soho in Zentrum von London ist für (digitale) Postproduktion ein weltweiter Anziehungspunkt. Nirgendwo sonst auf der Welt finden sich so viele unterschiedliche, unabhängige und nicht zu letzt konkurrierende Postproduktionsbetriebe auf einer solch kleinen Fläche wie in London.

Wie in London üblich sammeln sich konkurrierende Betriebe einer bestimmten Branche in einer Gegend, oft sogar in einer Straße an. Das gilt für Schneider von Maßanzügen genauso wie zum Beispiel für Radiohändler.

Werbeagenturen siedelten sich in Soho an. Das Viertel das eher für seine Nachtclubs und Sex Shops bekannt ist, wurde vielleicht gerade deswegen als 'place to be' angesehen. Wer etwas auf sich hält hat seinen Firmensitz eben dort hieß die Devise. Da die Werbeagenturen Hauptkunde vieler Postproduktionsfirmen sind siedelten sich bald auch diese Firmen in Soho an. Ihnen folgten ähnliche Betriebe die vorrangig für die TV Sender produzieren.

Dabei leisteten sich die meisten Firmen bei der Ausstattung der Räumlichkeiten einen Innenarchitekten, wohl wissend das viele der Werbekunden dieses Auftreten als Maßstab für Kreativität und Professionalität ansehen.

Heute gibt es auf dem Gebiet zwischen 4 U-Bahn Stationen, das zu Fuß in 15 Minuten zu durchqueren ist, über 100 Firmen die direkt oder indirekt mit Postproduktion zu tun haben. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, da immer neue Firmen auf den Markt drängen und einige auch schließen. Außerdem gibt es eine Grauzone von Firmen wie z.B.: Werbeagenturen mit Video Equipment, eine Firmengruppe mit mehreren kleinen Unterfirmen, Händler oder Fachpresse etc. die eine genauere Angabe bald wieder veralten lassen.

Die räumliche Nähe und dem damit verbundenen Konkurrenzdruck haben weltweit führende und einzigartige Firmen, Produkte und Konzepte entstehen lassen.

Im folgenden sollen einige dieser Postproduktionsfirmen näher beschrieben werden. Eine kleine, eine große und eine altehrwürdige. Alle gehören aber weltweit zu den renommiertesten Firmen. Das bedeutet natürlich nicht das andere Firmen überall sonst auf diesem Planeten nicht ebenfalls Produktionen in außergewöhnlicher Qualität realisieren.

Außerdem werden verschiedene Dienstleister beschrieben deren Kunden die Post-Häuser sind. Nicht nur Werbung und Musikvideos werden hier produziert, auch Spielfilmproduktionen gehören zum Aufgabenbereich. Komplexe Projekte werden auch auf Firmen aufgeteilt. Das Madonna Video 'Frozen' wurde z.B. von 'The Mill' und 'Smoke & Mirrors' gleichzeitig bearbeitet. Trotz aller Konkurrenz ist es aber durchaus üblich sich untereinander auszuhelfen. Leere Tapes, Festplatten etc. werden untereinander ausgetauscht. ‚Man kennt sich‘ bezeichnet die Situation treffend. Die große Zahl der kleinen Firmen zusammen genommen stellen eine mächtige Instanz dar, wenn es um Preisgestaltung, Auswahl der Technik, usw. geht.

Namhafte Firmen, die hier nicht weiter besprochen werden deren Namen man aber immer wieder in der Fachpresse findet sind z.B.: Framestore, The Moving Picture Company (MPC),SVC, Molinare, VTR, ........to name but a few (um nur einige zu nennen).

Jährlich führen die Fachmagazine Umfragen durch um eine Liste der beliebtesten, besten oder erfolgreichsten Firmen zu ermitteln. Das gibt einen Aufschluß über die einzelnen Firmen und kann als grobe Übersicht dienen. Ergebnis dieser Umfrage ist eine ‚Top 50‘ Liste, wobei etwa 40 Firmen dieser Liste in Soho ansässig sind. In den verschiedenen Kategorien werden etwa 100 Firmen genannt. Bei diesen Umfragen werden auch gleich statistische Daten gesammelt. Die folgenden Daten sind das Ergebnis des 'Top 50 Facilities Poll' des Fachmagazins 'Televisual' für 1999.

Demnach hat die durchschnittliche, 'gemeine' Post Produktionsfirma 1999 45% des Umsatzes mit TV Produktionen erwirtschaftet. Werbung und Firmenvideos sind jeweils für 20% des Umsatzes verantwortlich. Film und Videoclips machen aber nur noch 3 bzw. 5% des statistischen Umsatzes aus. Damit liegt diese Kategorie in einer Größenordnung wie etwa Multimedia Aufträge. Ausgegeben wurden etwa 750.000 € (1Pfund= 1,5 Euro), der gesamte durchschnittliche Umsatz betrug etwa 1,3 Mio. €.

Die Wertung der einzelnen Firmen wird nach fünf Kriterien durchgeführt: Maschinenpark, Mitarbeiterzahl, Umsatz und den subjektiven Kriterien Beliebtheit bei Produzenten und der Konkurrenz. Nach diese Kriterien war Anfang der 90er Jahre die 'Moving Picture Company' die führende Firma, die Mitte der 90er Jahre von 'Molinare' abgelöst wurde. Ende der 90er Jahre dominierte dann 'The Mill' diese Liste. 'Rushes' zeigt sich unbeeindruckt mit einem Platz zwischen 4 und 7 über die gesamte Zeit. 'Smoke&Mirrors' dagegen erscheinen nicht auf einem der vorderen Plätze, weil die Daten von Umsatz und Personal nicht reichen um mit den großen Firmen mit zu halten. Bei den subjektiven Kriterien findet sich die Firma auf Platz 2 und 3 für die Beliebtheit bei Produzenten und der Konkurrenz. Bemerkenswert auch das Abschneiden von 'Framestore', die seit 1990 von Patz 22 kontinuierlich besser abgeschnitten haben und mittlerweile Platz 2 belegen. Das die Firmen in einem Rhythmus die Plazierungen wechseln hat unter anderem mit den hohen Investitionen für die Geräte zu tun. Kauft man ein brandneues Produkt muß man es erst einmal amortisieren und versucht es so lange wie möglich effizient einzusetzen. Nutzt die eine Firma gerade ein altes Gerät das im nächsten Jahr erneuert werden soll, so wird diese Firma wahrscheinlich von einer anderen überholt, die bereits im laufenden Jahr ein ähnliches Produkt gekauft hat und daher mehr Punkte für das vorhandene Equipment erhält.

Die überwiegende Mehrzahl der Firmen nutzen einen zentralen Technikraum. Die Schnitt-, Ton- und Grafikräume beziehen ihre Signale von diesem Raum. In den eigentlichen Produktionsräumen steht nur die notwendigste Technik (Video- und Computermonitore, Lautsprecher, Tastatur, etc.). Der Geräuschpegel in diesen Suiten ist durch das Verbannen der Technik sehr gering, was eine bessere Arbeitsatmosphäre mit sich bringt. Da es üblich ist das bei den endgültigen Arbeiten die Kunden anwesend sind, steht meistens auch ein Sofa bereit.

Weniger gemütlich geht es im zentralen Technikraum zu. Hier ist die gesamte Technik gesammelt in einem Raum. Dieser Raum ist mit einer leistungsstarken Klimaanlage ausgestattet, um die Abwärme der Geräte zu kompensieren. Hauptgrund für diesen zentralen Aufbau ist die Flexibilität beim Einsatz der Technik. Die teure D5 MAZ muß während der Effektbearbeitung in Raum 1 nicht ungenutzt bleiben. Ist das Material vom Band digitalisiert, kann die Maschine für eine andere Produktion eingesetzt werden. Von diesem Technikraum aus lassen sich die Geräte untereinander beliebig mit den Schnitträumen verschalten. Bild und Ton lassen sich von jedem Raum in jeweils jeden anderen Raum oder auf verschiedene MAZen verteilen. Je nach räumlicher Distanz muß man dann allerdings für einen Bandwechsel z.B. immer hin und her laufen. Oft wird das Problem durch jemanden der ständig im Technikraum anwesend ist gelöst. Über ein Kommunikationssystem kann man vom Schnittplatz das gewünschte Band anfordern. Eine klassische Praktikantenaufgabe, 'Runner' heißen diese Kellerkinder. (Rennen müssen sie allerdings nur noch zum Kaffeeautomaten). Diese Aufgabe bildet zumeist die Basis für eine Berufskarriere in diesem Bereich.

Das Wechseln von Tapes wird sich aber mehr und mehr erübrigen je mehr eine Firma Netzwerke zum Datentransport einsetzt anstatt Bilder und Töne hin und her zuschicken. (siehe Netzwerk Kap.8.3.)

Der Keller bietet sich an, weil er für die Unterbringung repräsentativer Räumlichkeiten weniger geeignet ist. Strom und Datenleitungen kommen ebenfalls meist im Keller ins Haus, so daß sich der Technikkeller aus pragmatischen Gründen etabliert hat.

 

5.2.1. Rushes, London

Als eine der traditionsreichsten Firmen kann man 'Rushes' bezeichnen. Godfrye Pye, zuletzt Direktor des Babelsberger FX Centers, gründete diese Firma 1977. Nicht nur wegen vieler preisgekrönter Produktionen für Filme, Werbung oder Videoclips ist diese Firma bekannt. Sie kann auch als Brutstätte technologischer Entwicklung und als Talentschmiede gelten. 1993 arbeitete Rushes als erste Firma mit einer Discreet Logic, Flame Software, auf einer Silicon Graphics Onyx Workstation, einem Großcomputer in Kühlschrankgröße . Die Gründer von 'Smoke&Mirrors' und 'The Mill' haben jeweils vorher bei Rushes gearbeitet und sich dort den Grundstein ihrer spezialisierten Erfahrung erarbeitet. Die 'Computer Film Company' und Plug In Firma 'The Foundry', rekrutieren sich ebenfalls aus ehemaligen Rushes Mitarbeitern. Die Firma hat es geschafft ihren maßgeblichen Charakter beizubehalten. So hat z.B. der Verkauf einer Quantel 'Henry' Workstation und der gleichzeitige Kauf eines Discreet Logic Produkts genug Zündstoff um in den Postproduktionsmagazinen eine Diskussion um die generelle Zukunft von Quantel auszulösen. Das technische Engagement von Rushes geht soweit eigene Programmierer zu beschäftigen, die für bestimmte Effekte schlicht eine neue Software und Plug Ins entwickeln.

Zu den Kunden gehören Werbeagenturen, Musikvideoproduktionen. Außerdem werden Effekte für Spielfilme erstellt.

Einer der bekanntesten Werbespots ist der für Ford, bei dem Originalaufnahmen von Steve McQueen aus den 60er Jahren verwandt worden sind um Ihn in einen heutigen Ford Puma zu setzen und durch San Francisco fahren zu lassen.

Einen ähnlichen Spot auch für Ford läßt den heutigen Dennis Hopper im heutigem Ford Cougar ein Rennen mit der Filmrolle von Dennis Hopper aus dem Film Easy Rider fahren. Beide Clips nutzen Originalmaterial von zwei Kultfilmen. ‚Bullit‘ und ‚Easy Rider‘. Zunächst wurden geeignete Szenen ausgewählt. Im Fall von Steve McQueen wurden einige Szenen mit einem heutigen Schauspieler nachgedreht. Hierbei wurde dann später der Kopf von Steve McQueen von geeigneten Szenen aus dem Originalmaterial ausgeschnitten und dem nachgedrehten Material überlagert.

Beide Originalfilme sind über 30 Jahre alt, das bedeutet der damals benutzte Film hat eine andere Körnung als heutiges Material. Beim Drehen der neuen Szenen hat man versucht das gleiche Filmmaterial zu nutzen. Eine Filmkörnung kann aber auch nachträglich einrechnen, dabei kann man auch das exakte Material eingeben dessen Filmkörnung man haben möchte. Natürlich müssen alle Details wie Reflektionen im Rückspiegel, mit einem Lens Flare Plug In erzeugt, stimmig umgesetzt werden, um eine hohe Glaubwürdigkeit zu erzielen. Das gilt um so mehr, wenn offensichtlich ist, daß das Gezeigte eigentlich unmöglich ist. Steve McQueen würde selbst wenn er noch leben würde auch 30 Jahre älter sein. Genauso ist es unmöglich für Dennis Hopper mit seinem Filmcharakter aus Easy Rider ein kleines Rennen zu fahren. Um also einen noch realistischeren Look zu erzielen wurde das fertige Ergebnis auf D1 Video ausgespielt und dann auf Film übertragen um dann nochmals abgetastet zu werden. Mike Uden verantwortlich für die Post Produktion sagt dazu: "Ich wollte das die Bilder sich 'setzen' ".

Im Internet bietet Rushes die Möglichkeit sich diese und andere Clips anzuschauen. Außerdem wird ein A-Z Glossar für die gängigen Postproduktionsbegriffe angeboten. Zusätzliche technische Artikel und Presseartikel über zahlreiche Produktionen runden das Informationsangebot ab.

www.rushes.co.uk

 

5.2.2. The Mill, London

Diese Firma nimmt für sich in Anspruch die erste voll digitale Postproduktion gewesen zu sein.

Zur Zeit ist diese Firma einer der größten und erfolgreichsten auf dem Markt in London. Die Brüder Tony und Ridley Scott sind an der Firma maßgeblich beteiligt.

Der Firmenzweig 'Mill Film' zuletzt verantwortlich für die Produktion des Films 'Galdiator'.

Am Beispiel 'The Mill' soll das Preisniveau der angebotenen Leistungen gezeigt werden, da diese große Firma über eine umfangreiche Ausstattung verfügt. Die Preise sind vergleichbar mit anderen Firmen in London. Es handelt sich um Preise für die Technik, zusätzlich werden Personalkosten für den jeweiligen Operator anfallen.

Leistung

Preis in Pfund/ pro Stunde

1Pfund =3 DM = 1,5Euro

Flame, Inferno

700

Quantel Henry

700

Softimage, Avid DS

400

Digitaler Schnittplatz

500

Quantel Harry

400

Kodak Cineon

250

D1 MAZ

200

Digital Betacam MAZ

150

Avid On-Line

100

Avid Off-Line, Filmcomposer

500 pro Tag

Telecine

500-700

www.mill.co.uk

 

5.2.3. Smoke & Mirrors, London

Smoke&Mirrors, der Ausdruck bezieht sich auf den Rauch und die Spiegel den Magier und Zauberer bei ihren Vorstellungen benutzen um ihre Illusionen zu erzeugen. Außerdem kokettiert man damit das die Abkürzung S&M ja auch in das verruchte Viertel von Soho paßt.

1995 wurde Smoke&Mirrors von vier 'Flame Artists' einer Produzentin und einem Ingenieur gegründet. Diese sechs Leute sind:

Jon Hollis, der als Senior Editor und Flame Operator bei 'The Mill' gearbeitet hat. Außerdem verfügt er über Regieerfahrungen.

Sean Broughton, mit 8 Jahren Erfahrung an 'Harry', 'Paintbox' und 'Flame' bei 'Rushes'.

Tom Sparks, der ebenfalls 'Senior Harry Operator' bei 'Rushes' war und fünf Jahre bei 'The Mill' als 'Senior Flame Artist' gearbeitet hat. Sparks ist 1996 zu 'Smoke&Mirrors' gekommen.

Chris Roff, der (wen wundert es) als 'Harry' und 'Paintbox' Operator bei 'The Mill' gearbeitet hatte. Überraschender ist es da schon das er auch einer der Co-Gründer von 'The Mill' war.

Penny Verbe, hat vorher als 'Senior Producer' bei 'Rushes' gearbeitet und verfügt über acht Jahre Erfahrung im Kunden- und Projektmanagment.

Mark Wildig, kommt ebenfalls von 'Rushes'. Dort war er für das erste 'Flame' System auf einer 'Silicon Graphics Onyx' Workstation verantwortlich und hat es zum kommerziellen Einsatz gebracht. Er gilt als einer der erfahrensten im technischen Umgang mit den 'Silicon Graphics' Computern und den 'Discreet Logic' Produkten.

Die Idee hinter der Firmengründung war die Fähigkeiten der Personen in den Vordergrund zu stellen. Das man dabei so nebenbei die teuerste Technik einsetzt ist britisches Understatement.

Durch die langjährigen Kontakte zu den Kunden, war es möglich diese auch für die eigene Firma zu gewinnen. Unter diesen Kunden sind zum Beispiel: Graham Wood (Direktor von Tomato Design), Chris Palmer, Graham Fink, und Stuart Douglas, alle bekannte (Werbe)Regisseure.

Der Zeitpunkt für die Firmengründung schien günstig, da die Werbeagenturen offen für neue Konzeptionen basierend auf der neuen Technik waren.

Jon Hollis sagt dazu: "Es war in der Zeit als die Agenturen sagten: "Zeig uns mal etwas anderes" und sie mochten es auf Anhieb."

Die Firma wollte auch auf technischem Gebiet neue Wege gehen. Die Entscheidung nur eine universell (für Bildeffekte) einsetzbare Software einzusetzen war zu dieser Zeit einzigartig. Smoke&Mirrors setzte auf Discreet Logic Produkte. Es werden vier Inferno Plätze die jeweils auf einer Onyx Workstation laufen eingesetzt. Diesen Rechnern steht ein zentraler 'Stone' und 'Wire' Raid Speicher zur Verfügung (Raid siehe Kap.2.6. Speichertechnologie). Die Entscheidung nur Inferno Systeme einzusetzen wurde mit Blick auf die erhöhte Flexibilität getroffen. So ist es möglich Video und Film an allen Plätzen zu bearbeiten. Mögliche Wartezeiten, weil das spezialisierte Equipment belegt ist, werden so ausgeschlossen, da man mit jedem beliebigen Format auf jeden beliebigen anderen Arbeitsplatz ausweichen kann.

Probleme gibt es allerdings, wenn man so viele Aufträge hat das alle Plätze belegt sind.

Zu den bekannten Produktionen gehören zum Beispiel Filmtitel für ‚Der Schakal, und 'James Bond'. Effekte für 'Batman forever', Werbeclips für 'Levis', 'Guinness', 'Nike' etc. und Musikvideos für 'Madonna', 'Jamiroquai', etc. Ein weniger bekannter Clip für eine weniger bekannte (zumindest in Deutschland) Krankenversicherung ist der 'PPP Healthcare' Spot.

In diesem Spot besucht ein Patient seinen Doktor zur Generaluntersuchung. Sobald er die Praxis betritt ändert sich das Bild, vom realen zu einem Röntgenbild. Die Handlung geht aber normal weiter. Der Patient muß eine Kniebeuge machen. "Aaah" sagen, auf einem Laufband schwitzen, Medizin trinken. Diese Sequenz ist komplett animiert. Der Regisseur Graham Fink und Jon Hollis von Smoke&Mirrors waren sich einig das man keine Computeranimation einsetzen wollte, da dies auf Anhieb zu erkennen gewesen wäre. Jon Hollis: "Ich wollte das die Leute sagen wie zum Teufel haben die das gemacht." Um eine Vorlage zu haben wurde der ganze Spot auch mit realen Menschen auf normalem Film gedreht. Die Röntgenbildsequenz besteht aus echten einzelnen Röntgenbildern. Ein ganzes Skelett ist in verschiedenen Perspektiven geröntgt worden, diese Bilddaten sind dann auf den Rechner übertragen worden. Unter anderen auch eins von der Kniescheibe des Regisseurs.

Am Ende waren 2500 Röntgenbilder digitalisiert. Bei Szenen in denen nur der Patient zu sehen war gab es 10 bis 15 Elemente die animiert werden mußten. Ist der Doktor ebenfalls im Bild verdoppelte sich der Aufwand entsprechend. Eine weitere Besonderheit ist die Szene in welcher der Patient Medizin trinkt. Dazu wurde eine extra Szene gedreht bei der Milch in ein Rohr geschüttet wird, dieses Element diente dann als 'Speiseröhre' und wurde über die Skelettanimation gelegt. Einzelne Elemente (Knochen) mußten teilweise individuell angepaßt werden. Um die Form und Länge bestimmter Knochen dem Original anzupassen wurde die Morph bzw. Warp Funktion verwendet. Im fertigen Film sind pro Einzelbild bis zu 100 einzelne Bildelemente zu sehen. Tatsächlich hat die Produktion vier Wochen Bearbeitungszeit gebraucht. Der Regisseur Graham Fink dazu: "Es war sicher das spannendste aber auch das schwierigste Projekt was ich je an Post Produktion hatte". Für Jon Hollis stellt dieser Clip einen Schritt vorwärts in der Filmtechnik dar.

Ein anderer Clip der visuell ebenfalls erstaunlich ist, der aber in nur 30 Stunden von Tom Sparks fertiggestellt worden ist. 'Static' heißt der Werbefilm der für das Londoner Capitol Radio wirbt. Ohne diese Radiostation ist das leben in London statisch, so die Grundidee des Spots. Zu dem Geräusch beim Einstellen eines Radiosenders (altes Radio) sehen wir eine scheinbar zusammenhängende seitliche Kamerafahrt durch alltägliche Bilder von London. Ein Fahrradkurier, Müllmänner, zwei Frauen in einem Taxi etc. Das Besondere ist das keine Bewegung zu sehen ist, alles scheint eingefroren. Dennoch bleibt die Perspektive erhalten, es handelt sich nicht einfach um Fotos. Die ‚Kamera‘ bewegt sich zum Beispiel auch quer durch den Fond des Taxis, ohne mit der Karosserie zu kollidieren. Dabei bleibt der Hintergrund im Rückfenster sichtbar und bewegt sich realistisch entsprechend zur Kamerabewegung.

Die beiden beschriebenen Werbefilme stellen sicher zwei Extreme bei der Postproduktion dar. Die eine mit extrem langer und die andere mit extrem kurze Bearbeitungszeit. Auch bei diesen Projekten zeigt sich das man nie genau weiß wie das Endergebnis zu erreichen ist, daß die Visionen aber immer umgesetzt werden können. Beide Projekte erreichen ihr Ziel eine faszinierende Bilderwelt zu erzeugen, so das man sich fragt: "Wie zur Hölle haben die das gemacht?"41 (Zitat Jon Hollis).

www.smoke-mirrors.co.uk

 

5.3. Spezialisierte Zulieferer in London

Die Ansammlung von Postproduktionshäusern läßt auch Raum für kleine spezialisierte Firmen, bzw. schafft erst deren Existenzgrundlage. Zwei solcher Firmen die in einer Art Symbiose existieren sollen an näher beschrieben werden.

5.3.1. SohoNet, Telecine

'SohoNet' ist ein Anbieter von breitbandigen Netzwerkanschlüßen. (Die Firma wurde kürzlich in 'RunTime Technologies' ungenannt, SohoNet bleibt aber als Begriff bestehen). Praktisch jede größere Firma verfügt über Leitungen zum Datentransport die mehr als eine normale Telefon- oder ISDN- Leitung transportieren können.

Das besondere ist, daß diese Firma in Zusammenarbeit mit der 'British Telecom' im Stadtteil Soho ein Glasfasernetz verlegt haben. Dieses Netz ist extrem leistungsfähig. Diese Art der Vernetzung ist insbesondere für die Postproduktionshäuser interessant, da sich neue Möglichkeiten der Produktion ergeben. Viele Firmen nutzen den Anschluß auch als Internetverbindung oder schicken Konzepte zu den Kunden oder umgekehrt. Ein Beispiel aus der Produktion soll näher beschrieben werden das die Bandbreite der Glasfasertechnik voll beansprucht.

Die Firma 'Tele-Cine' bietet die Abtastung von Filmmaterial auf Video an. Viele Firmen schaffen sich nicht so ein Gerät an, da es das teuerste einzelne Gerät im Postproduktionsumfeld darstellt. Nutzt man ein solches Gerät nicht täglich, nagt die Investition am finanziellen Sockel der Firma. Außerdem muß man das Gerät auf den neuesten Stand halten um neuen Formaten, wie zum Beispiel HDTV oder 16:9, gerecht zu werden. Dies bedeutet wiederum zusätzliche Kosten. Bedenkt man das, wie aus der Umfrage des 'Televisual' Magazins hervorgeht, nur etwa 20% des Umsatzes mit Filmproduktionen gemacht wird ist klar das ein solches Gerät nur bei großen Firmen zu finden sein wird.

Der Service der Filmabtastung läßt sich aber auch als Dienstleistung einkaufen. Erfolgt eine Negativabtastung, muß das wertvolle Material viele risikoreiche Botengänge hinnehmen bis endlich ein Band davon vorliegt. Die Firma 'Tele-Cine' erweiterte diesen Service das die Daten des abgetasteten Negatives auch direkt über das 'SohoNet' zu beziehen sind.

Die digitale Variante der Filmabtastung wird übrigens 'Datacine' genannt.

Dies ermöglicht eine Tapefreie Produktion. Das Negativ wird direkt in den Speicher der bearbeitenden Maschine gespielt. Während die Abtastung des Materials noch läuft kann der Operator bereits anfangen das Material zu sortieren und erste Bearbeitungsschritte erledigen. Dieses Verfahren wird eingesetzt obwohl die Strecken zwischen den Kunden und 'Tele-Cine' in höchstens 15 Minuten zu Fuß zurückgelegt werden kann. Diese Viertelstunde ist nicht das Problem, wird ein Band benutzt, muß es bei 'Telecine' erst komplett aufgespielt sein. Dann muß der Kunde dieses Band nochmals ablaufen lassen um es in die benutzte Maschine einzuspielen. Die Arbeit das Band zu sichten und entsprechende Szene zu markieren und zu benennen muß ebenfalls wiederholt werden.

Diese Produktionsweise bietet sich auch für hochauflösendes Material an, da man hier statt des Tapes nun keine anderen Speichermedien mehr

Das Signal kann über das 'SohoNet' zwar nicht in Echtzeit übertragen werden, erreicht diese Geschwindigkeit aber zu einem hohen Prozentsatz, je nach Auslastung des Netzes. Im Vergleich mit einer normalen Telefonleitung würde dieser Prozeß mehrere Tagen wenn nicht Wochen dauern.

Den selben Weg gehen die Daten, wenn es um die Ausbelichtung auf Film geht. Ohne auf ein Tape gespielt zu werden gehen die Bilddaten direkt an den Dienstleister der einen Filmausbelichter anbietet. Eine Rechnung die scheinbar aufgeht, da man teure MAZ Zeit, Kassetten und Verwaltungsaufwand und Zeit an der Workstation spart.

'SohoNet' selbst sieht sich dabei als 'Informationslogistik' Unternehmen. Bezahlt wird die Leistung nach Datenmenge. Um welche Daten es sich dabei handelt ist für die Firma unerheblich. Eine solche Glasfaserleitung ist bis jetzt noch nicht global vorhanden. Eine Anbindung von Hollywood wäre wünschenswert für SohoNet. Wird eine solche Verbindung gewünscht, werden Leitungskapazitäten anderer transatlantischer Verbindungen gekauft.

Am Ende eines Drehtages kann das Filmmaterial nach Hollywood überspielt werden. Durch den Zeitunterschied erreicht das Material den Produzenten wenn er gerade ins Büro kommt. Änderungen kann dieser dann mit der Filmcrew in London absprechen, die dann am nächsten Drehtag umgesetzt werden können.

http://www.telecine.co.uk http://www.runtime.com http://sohonet.com

 

5.4. Hollywood

Es wird wenig überraschen das Hollywood ein Zentrum für digitale Effekte darstellt. Ein Trendsetter beim Einsatz digitaler Technik war George Lucas Firma 'Industrial, Light and Magic'. (Kap 5.4.1 und 5.5.1).

In diesem Zusammenhang sei nochmals auf das Magazin 'Cinefex' verwiesen das ausführliche Berichte über die Effekte aller großen Hollywoodproduktionen veröffentlicht.

www.cinefex.com

Ähnliche Berichte findet man auch unter

www.vfxhq.com

www.visualmagic.awn.com

www.howstuffworks.com/blue-screen

 

5.4.1. ILM

Industrial, Light and Magic ist eindeutig die bedeutendste Firma, wenn es um die Entwicklung von Filmeffekten geht. Seit 1977 und dem ersten 'Star Wars' (Krieg der Sterne) Film bis heute hat man 14 Oscar Auszeichnungen für Spezialeffekte und 9 Auszeichnungen für Leistungen auf dem Gebiet der Filmtechnik erhalten.

Bei der Entwicklung der digitalen Technik hat man auch immer eine führende Rolle gespielt. Die Reihe der Entwicklungen reicht von den ersten Motion Control Kameras (für den ersten 'Star Wars' Film), bis zu bahnbrechenden Effekten aus Produktionen wie ‚The Abyss‘, ‚Terminator 2‘, ‚Jurassic Park‘, die jeweils neue Standards für die Effektbearbeitung definierten.

Teilweise arbeiten bis zu 3000 Menschen an den Projekten. Das ist enorm, wenn man bedenkt, daß selbst große Postproduktionshäuser 'nur' um die hundert Mitarbeiter haben.

Ein weiterer technischer Meilenstein soll der nächste Film der Krieg der Sterne Saga werden. George Lucas hat sich dafür entschieden den gesamten Dreh auf digitalen HD Video zu realisieren. Es ist der erste große kommerzielle Film der in diesem Format gedreht wird.

In San Francisco plant man außerdem ein Zentrum für digitale Filmbearbeitung, in einer Art Technologie Park. Geplant ist mit diesem Zentrum Hollywood mit seinem Studiosystem den Rang abzulaufen.

ILM setzt alle hier erwähnten Maschinen ein, bei einigen war und ist die Firma an deren Weiterentwicklung beteiligt.

www.ilm.com

 

5.4.2. Digital Domain

Auch die zweitgrößte Effektfirma soll nicht unerwähnt bleiben. Digital Domain ist von Scott Ross, James Cameron und Stan Winston gegründet worden.

Ross, der vorher Vize Präsident von ILM war und dort die Einführung und Implementierung der digitalen Technik zu verantworten hatte. Regisseur James Cameron braucht für seine Filme viele Effektszenen. Cameron ist einer der Vorreiter für die Nutzung digitaler Arbeitsweisen für alle Phasen der Filmproduktion. Eine solche Firma selbst mit zu begründen hat für Ihn den Vorteil das die Effektabteilung in der frühen Phase des Films eingebunden werden kann. Wege verkürzen sich und Kommunikation wird einfacher.

In einem Interview skizziert Cameron die Entwicklung aus seiner Sicht. Demnach kommen mehr und mehr Regisseure nach Hollywood die Erfahrungen mit Werbefilm oder Videoclips haben. In der Nachbearbeitung hatten diese Regisseure Kontakt mit Maschinen wie dem Avid Media Composer und Quantel Henry, etc. Daher sind sie gewohnt ihre Ideen zu formulieren und ein Ergebnis in kürzester Zeit zu sehen.

Genauso sind diese Regisseure gewohnt verschiedene Versionen auszuprobieren, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Für Filmeffekte mußten diese Regisseure warten bis eine fertige Version erstellt worden ist. Das Ergebnis war dann meist endgültig da Zeit und Geld meist nicht für nochmaliges Erstellen von Filmeffekten zur Verfügung stehen. Die Arbeit wurde komplett an Spezialisten übergeben, die Cameron 'Wizards' (Zauberer, Magier) nennt. Eine Art des Arbeitens die Regisseuren nicht liegt. Auch die 'Wizards' selbst haben keine hohe Meinung von den Regisseuren. Mit der gemeinsamen Arbeitsweise an eine digitalen Filmbearbeitung sieht er das beide Seiten profitieren können. Die 'Wizards' können mehr am kreativen Prozeß teilhaben, während die Regisseure nun auch Teil des Bereiches der Filmproduktion sind, in dem sie sonst außen vor geblieben sind.

Cameron sieht Analogien zur Tonmischung. Hier wird an einer zentralen Stelle die endgültige Mischung erstellt. Für die Bilder sieht er einen ähnlichen Prozeß. Eine Endversion, die an einer digitalen Workstation erstellt wird und vielfältige Möglichkeiten zur Bildbearbeitung bietet wie Schnitt, Farbkorrektur usw. bietet, die sonst nur in räumlich getrennten, langwierigen Prozessen erfolgen konnte.

Eine Vision, die heute mit den 'Finishing' Systemen die Filmauflösung unterstützen wahr geworden ist.

Winston schließlich hat über 25 Jahre Erfahrungen im Bereich der Figurenanimation. Er ist verantwortlich für das Kreieren von künstlichen Charakteren, unter anderen bei 'Terminator2'.

Wie der Firmenname es nahelegt spezialisiert man sich auf digitale Effekte.

Ziel ist es nach eigenen Angaben "weltweit das beste digitale Studio zu sein". Risikobereitschaft ist dabei festgeschriebene Firmenpolitik. Diese Firma hat u.a. die Effekte für die Cameron Filme 'True Lies' und 'Titanic' produziert. Speziell 'Titanic' hat viele Auszeichnungen für die Effekte erhalten unter anderen den Oscar für diese Kategorie.

Die Firma verfügt über eine 'Renderfarm'. etwa hundert Computer zusammengefaßt, die unter dem freien 'Linux' Betriebsystem arbeiten. Die zusammengenommene Rechnerleistung der einzelnen kleinen Rechner erstellt dabei die hochauflösenden Filmbilder aus den Animationsprogrammen. Solche Renderfarmen oder auch 'Linuxcluster' (Computerhaufen) werden ebenfalls in der Forschung in Rechenzentren eingesetzt.

Neben diesen prestigeträchtigen und bekannten Projekten erstellt Digital Domain aber auch Werbefilme und interaktive Medien.

www.d2.com

 

5.4.3. Imaginary Forces

Der Firmenname bedeutet soviel wie 'unsichtbare Mächte der Vorstellungskraft'. Sozusagen das Credo aller Postproduktionsfirmen. Die Firma selbst interpretiert den eigenen Namen als: "Fusion von Gedanken, Bildern, Bewegung, und Tönen."

Imaginary Forces haben sich als kleine Firma in einer Nische etabliert. Sie sind vorrangig mit Trailerproduktion beschäftigt. Das beinhaltet die Filmtitel, Trailer für die Werbekampagne etc. Das umfaßt Filme wie zum Beispiel: 'Seven', 'Mission Impossible', 'Gattaca', 'Verhandlungssache'.

Die Firma bildet Ihren Ruf auf der außergewöhnlichen Kreativität der Konzepte. So sind tatsächlich alle hier besprochenen technischen Elemente in einem Trailer zu sehen. Effekte, animierte Texte. Zusammen ergeben die Trailer einen Eindruck wie aus einem Guß. Rhythmus und Dramaturgie sind sehr gut umgesetzt.

Im Unterschied zur klassischen Produktionsfirma, stellt 'Imaginary Forces' das kreative Konzept im Mittelpunkt. Die Film und TV Produktionen sind daher nur ein Standbein der Firma.

Dieser Teil umfaßt Werbung, Titelsequenzen für TV Serien wie 'Ally McBeal', 'Chicago Hope', etc., sowie Werbefilme.

Printwerbung und multimediales Design für Messen oder Ausstellungen gehören ebenso zu den Aufträgen.

Die Firma hat also eher den Charakter einer Werbeagentur in der Grafik Designer und Art Direktoren das Sagen haben. Das man auch Werkzeuge zur Filmbearbeitung hat ist nicht Zentrum der Geschäftsgrundlage.

Etwa eine Art Selbstverständis wie etwa eine Autowerkstatt die auch nicht damit wirbt 34 verschiedene Schraubenschlüssel zu besitzen, sondern mit der Kompetenz der Mechaniker.

So unterschiedlich die Bereiche Printwerbung und Kino Trailer auch sein mögen, der kreative Prozeß bei der Ideenentwicklung ist ähnlich. Das man zur Umsetzung digitale Werkzeuge, wie hier beschrieben, einsetzt ist selbstverständlich, so daß es keine weitere Erwähnung findet.

Für die Vermischung der vormals getrennten Bereiche wie Grafik Design und Filmproduktion ist diese Firma ein herausragendes Beispiel. Das die Firma Ihren Sitz in Hollywood hat erleichtert es natürlich auch die Aufträge für Filmtitel zu bekommen. Die Studios sind sich bewußt das die Titel und Trailer den Eindruck prägen den der Film in der Öffentlichkeit hinterläßt.

Warum also nicht gleich die auf Werbung im weitesten Sinne spezialisierte Firma beauftragen die am Ende direkt eine rolle Film abliefert?

Mehr zur Vermischung von Grafik und Film, TV im Kap.8.6..

www.imaginaryforces.com

 

 

5.5. Herausragende Einzelpersonen

In diesem Kapitel sollen Personen erwähnt werden die sich über die erwähnten Firmen hinaus eine Bedeutung für die digitale Bildbearbeitung erarbeitet haben und nicht bereits in den anderen Firmenkapiteln erwähnt worden sind.

Bestimmte Personen sind für entscheidende Entwicklungen oft nicht näher zu bestimmen, da es sich immer um Gruppen von Personen handelt. Das Ingenieurteam von Quantel, die Programmierer von Avid, usw.

 

 

5.5.1. John und Thomas Knoll

 

Die beiden Brüder finden besondere Erwähnung, da sie beide das Photoshop Programm begründet haben und damit maßgeblich zu einer weitreichenden Veränderung unserer visuellen Umgebung beigetragen haben.

John Knoll arbeitete bei ILM als Motion Control Kameramann. Er war an den Entwicklungen in der Grafikabteilung interessiert. Eine Vorführung des 'Pixar Image Computer' hat Ihn nachhaltig beeindruckt. Nach heutigem Standard ein nicht mehr einsetzbares Produkt. Es handelte sich um einen Computer mit dem 'UNIX' Betriebsystem, bei dem die Befehle noch einzeln eingetippt werden mußten. Immerhin verfügte es schon über die meisten Funktionen die in Kap.3. beschrieben werden.

Die Konsequenz war für John Knoll klar. Wenn man Filmbilder in den Computer einlesen kann, dann kann ein Computerprogramm diese Bilder in jede nur denkbare Form verändern.

Zu dieser Zeit haben sicher auch andere diese Schlußfolgerungen gezogen. Deren Hobby war aber wahrscheinlich nicht das Programmieren von eigenen Programmen. Außerdem sprach er mit seinem Bruder Thomas über seine Ideen. Wie der Zufall es wollte arbeitete dieser gerade an seiner Doktorarbeit über das 'Sehen von Computern', also Bilderkennung mit Computern. Da die mathematischen Grundlagen dieses Themas die gleichen sind wie bei der Bildbearbeitung, hatte Thomas Knoll auch einige Programme zur Bildbearbeitung erstellt, die ähnlich zu denen des Pixar Computers waren. Für seine Arbeit benutzte John diese und seine eigenen Programme war aber mit dem gesamten Arbeitsablauf unzufrieden. Thomas Knoll faßte diese Programme dann alle zu einem neuen zusammen, das er 'Display' nannte.

Durch die praktische Arbeit bei ILM kamen bei John immer mehr Forderungen nach neuen Funktionen, die sein Bruder umsetzte, bis das Programm in 'Image Pro' umbenannt worden ist. Zu diesem Zeitpunkt überzeugte John seinen Bruder seine gesamte Zeit in das Projekt zu stecken. Nach etlichen Veränderungen und Verbesserungen wurde das Programm über einen Zeitraum von zwei Jahren zu 'Photoshop'. Mit 'Adobe' wurde auch eine Softwarefirma gefunden die das Programm vermarkten konnte.

Heute ist Photoshop in nahezu allen Grafikstudios vorhanden und geradezu ein Synonym für Bildbearbeitung schlechthin. Die Konzepte die für die Einzelbildbearbeitung gelten finden auch zu einem großen Teil Umsetzung bei der Variante für Bewegtbilder, zum Beispiel bei der Farbkorrektur.

Thomas Knoll hat seine Doktorarbeit übrigens nie vervollständigt.

John Knolls Ansichten über digitale Effekte sind erstaunlich nüchtern und ergebnisorientiert. Ob man analoge Techniken wie Modelle oder Computeranimation nutzt ist für Ihn schlicht eine Frage was besser aussieht.

Durch seine Arbeit für Filme wie 'Star Trek, Erster Kontakt' und den Titel der 'Star Trek Next Generation' TV Serie, 'Mission Impossible', 'The Abyss' und zahllose andere Produktionen hat er die nötige Erfahrung im Voraus die entsprechende Technik auszuwählen.

 

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