3.9. Rendern oder Realtime?

Bei allen hier diskutierten Funktionen entsteht ein Bild das so vorher nicht existierte. Es muß vom Rechner erzeugt werden. Den Prozeß dieser Berechnung nennt man ‚Rendern‘.

Realtime (Echtzeit) in diesem Zusammenhang meint sofort abspielbar nach dem man den Effekt eingestellt hat. Dabei wird das Bild meist in der speziellen Videoelektronik während des Abspielenserzeugt. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Videodaten auf den Festplatten, wie es der Fall bei allen anderen Formen des Renderns ist. Das Bild ist flüchtig und muß bei jedem Abspielen neu erzeugt werden.

Realtime Rendering bezieht sich auf die Zeitder Berechnung, bevor ein Video abgespielt werden kann. Ein zehn SekundenEffekt würde demnach zehn Sekunden Rechenzeit erfordern, bevor er überhaupt abgespielt werden kann. Zeit in der das Bild nicht sichtbar ist. In diesem Fall werden auch 10 Sekunden Speicherplatz auf der Festplatte in Anspruch genommen. Für das berechnete Video wird eine neue Datei angelegt, damit ein erneutes Abspielen ohne Wartezeit erfolgen kann.

Um die Leistungsfähigkeit der Maschinenzu beschreiben wird zum Beispiel angegeben wie viele und welche Effekte dieMaschine in Realtime darstellen kann. Farbkorrektur, Key, und Blenden aufzwei Layern in Realtime zum Beispiel.

Muß der Effekt berechnet werden ist auch ein schnellerer als Realtime Prozeß möglich. Der 10 Sekunden Effekt wird dann in 5 Sekunden berechnet und kann dann betrachtet werden. Die neue Datei belegt aber immer noch 10 Sekunden Speicherplatz.

Bei den meisten Anwendungen werden viele Effekte zu einer Sequenz zusammengestellt. Hierbei muß dann jeder Effekt einzeln berechnet werden, was meistens wesentlich länger dauert als der Effekt lang ist. Etwa 5 Minuten für den 10 Sekunden Effekt. Die Dauer ist abhängig von der Anzahl und mathematischen Komplexität der angewendeten Effekte.

Hat man einmal ein Ergebnis berechnet und ändert etwas, muß der Vorgang wiederholt werden. Neuere Geräte verfügen aber über eine 'Expert Render' (Avid Bezeichnung) Funktion, die denEffekt analysiert und nur den Teil berechnet der nicht in Echtzeit dargestelltwerden kann. Üblich ist es auch das ein halb berechneter Effekt beimRendern unterbrochen werden kann und dann der Teil betrachtet werden kann,der schon erstellt ist. Läßt man den Rechner dann weiter rendern'erkennt' das Programm das schon ein Teil berechnet worden ist und setztdie Arbeitan der Stelle an der zuvor abgebrochen wurde fort.

Ebenso läßt sich ein entscheidender Teil in der Mitte der Sequenz berechnen um eine bestimmte Animation zu beurteilen. Wenn dieser Teil zufriedenstellend ist kann man an anderer Stelle weiterarbeiten und den Effekt später fertig berechnen. 'Partial Render' oder etwa 'Render In-Out' (Avid) ist eine Bezeichnung dafür.

Zur Beschleunigung des Rendern kann man ein 'Preview Render' einsetzen, hierbei wird eine Fassung in geringer Auflösung berechnet, die eine Beurteilung zuläßt. Später oder über Nachtkönnen diese Effekte dann in hoher Auflösung fertig berechnet werden.

Eine weitere Erleichterung bietet die Möglichkeit vorige bereits berechnete Versionen wieder nutzen zu können ohne erneut den Rechenprozeß durchlaufen zu müssen.

Ein anderes Konzept nennt sich 'Background Rendering' das es erlaubt während des Rechenprozesses an anderer Stelle weiterzu arbeiten, bis der Effekt berechnet ist.

Alle diese Funktionen sind erst seit kurzer Zeit verfügbar. Zuvor war beim Rendern die Maschine komplett lahmgelegt,ein Fehler führte unumgänglich zur kompletten zeitraubenden Neuberechnung.

Wünschenswert für die Zukunft sindnatürlich Systeme die jede beliebige Art von Effekt in Realtime darstellenkönnen. Dies wird wahrscheinlich durch schnellere Prozessoren möglich,die nach wie vor eine neue Datei für den Effekt erzeugen.

Bedenkt man aber die Komplexität wenn mehrere Effekte kombiniert angewendet werden ist immer noch mit einer Berechnungszeit zu rechnen. Ein mehrlagiger Effekt der zur Zeit 5 Minuten Rechenzeit braucht kann in Zukunft wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit erledigt werden, warten muß man trotzdem.

Eine spezielle Elektronik die alle erdenklichen Effekte gleichzeitig in Realtime darstellen könnte, wäre wahrscheinlich zu komplex und damit auch zu teuer.

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