3.7. Blur
Eine weitere wichtige Funktion ist der 'Blur'. Hiermit läßt sich ein Bild, oder beliebigeTeile des Bildessowie Grafiken, vornehmlich Text, nachträglich unscharf machen. Mögliche Übersetzungen wären etwa Weichzeichner, Unschärfe oder ähnliches. Die Einordnung der Blur Funktion fällt schwer da der Blur sowohl bei Keys und Grafiken als auch auf Bilder direkt angewendet wird, daher kannman den Blur Effekt als Unterfunktion der Keyer sehen oder, weil in PaintTools verwandt, im Grafikteil ansiedeln. Aufgrund der Bedeutung von Blurfür viele Effekte habe ich ein eigenes Kapitel dafür vorgesehen.
So gibt es in der Praxis kaum eine Produktion die ohne Blur in irgendeiner Form auskommt und sei es als 'Softness' beieinem Key. Dennoch wird der Blur wirkungsvoll meist nur in Kombination mitanderen Funktionen verwendet.
Häufig werden Textanimationen geblurt. Der Text blendet nicht nur auf, sondern verdichtet sich langsam aus einer diffusen Wolke. Fast immer werden auch Keymasken mit Blur versehen. Ist die Keymaske zu exakt erkennt man zu leicht den Effekt, sind die Kanten etwas unscharf 'verschmilzt' das gekeyte Objekt mehr mit dem Hintergrund, und ein realistischerer Eindruck wird erzeugt.
Beim Blur läßt sich der Wert der Unschärfe einstellen. Je höher der Wert ist desto mehr verschwimmt das Bild. Eine maximale Blureinstellung läßt das geblurte Objekt komplett verschwinden (abhängig vom verwendeten System).
Wendet man den Blur auf einem Bild an, kann man sagen das benachbarte Pixel miteinander verglichen werden. Der Unterschied zwischen zwei Pixeln wird dann gemittelt. Blurt man ein Bild das ein schwarzes Quadrat auf weißer Fläche zeigt so erhält man ein unscharfes graues Quadrat. Je mehr Blur angewendet wird desto mehr verschwimmt die Kontur, in der Extremeinstellung bleibt nur ein mittleres Grau übrig. Die Umrisse des Quadrats sind dann nicht mehr sichtbar.
Bei Farben gilt das gleiche wie beim Mischenvon Farben im YUV Farbraum.
Rot + Gelb = Orange
Rot + Blau = Magenta, aber:
Magenta + Grün = Grau!
Blau + Gelb = Grau!
Bei der Anwendung auf einen Text, der von Transparenzinformation umgeben werden die Pixel des Textes auf eine größere Fläche verteilt, verlieren dabei aber etwas an Deckkraft. Über einem Bildhintergrund kommt es ebenfalls zu einer Mischung von den weichen Kanten des Textes mit dem Hintergrund. Der Blurfunktion ist es egal ob es sich um eine Farbe handelt oder um die Transparenzinformation. Ein blauer Text soll geblurt werden.Einige Pixel sind blau und 100% deckend, genau so viele andere Pixel haben0%Deckkraft und haben keine Farbe (Transparenz). Die Blurfunktion erzeugteinen Übergang der Pixel von Blau zu transparent. In der Mitte dieserZone sollte der Wert 50% Transparenz betragen.
Je nach angewandter Rechenvorschrift ergebensich unterschiedliche Resultate. Meist werden zwei Arten angeboten. Ein 'FastBlur' und ein 'Gauss´scher Blur'.
Der Fast Blur arbeitet schneller auf Kosten der Qualität. Der Gauss´sche Weichzeichner ist rechenintensiver, dauert daher länger, hat aber eine bessere Qualität.
Eine Richtung des Blur läßt sich ebenfalls einstellen. Dabei wird nicht jeder Pixel mit allen anderen die ihn umgeben verglichen, sondern nur mit dem beispielsweise rechts vom Bezugspixel. Der gewählte Bereich erscheint nach rechts 'verschmiert'.
Eine Anwendung findet sich im 'Motion Blur'.Dabei wird versucht eine realistische Bewegungsunschärfe zu erzeugen.EineGrafik z.B. die in ein bewegtes, und daher Bewegungsunschärfenaufweisendes, Realbild eingefügt werden soll, kann so den Bewegungenangepaßt werden. Das setzt allerdings eine genaue Planung voraus. Wirddie Bewegung der Kamera und des Motivs zu komplex wird der Arbeitsaufwandfür eine generierte Bewegungsunschärfe ebenfalls zu komplex. ImZweifelsfall müßte für jedes einzelne Bild eine neue Einstellungvon Motion Blur (aber auch Größe, Perspektive usw.) vorgenommenwerden.
Beim Motion Blur werden nicht nur Pixel in einem Einzelbild miteinander verglichen, vielmehr wird ein Pixel überprüft ob es sich an den selben Koordinaten im nächsten Bild befindet. Falls nicht bewegt es sich und wird daher in die Berechnung einer Unschärfe mit einbezogen, falls nicht gehört es zum sich nicht bewegenden Hintergrund und wird aus der Berechnung ausgeklammert.
Weitere mögliche Formen des Blur sind der 'Radial Blur' bei die Pixel kreisförmig miteinander verglichen werden. Es entsteht ein Effekt, wie er beim Fotografieren entsteht, wenn man während (einer langen) Belichtung zoomt. Das Innere des Kreises ist fast nicht geblurt. Je weiter man vom Zentrum des Kreises entfernt ist desto stärker wirkt der Blur.
Anwenden läßt sich der Blur auf alle möglichen Bereiche des Composites. Den Bildinhalt, Grafik Objekte, Text, Keymasken, sogar auf bestimmte Farbkanäle. Auf die Kanten eines Objekts oder auf den gesamten Bereich. Auf die Kanten angewendet findet man den Blur auch unter der Bezeichnung 'Softness' oder 'Feather' (Feder).
Bei schwierigen Key Masken eignet sich ein Blur um das Keyergebnis zu verbessern. Hierbei verbessert der Blur die Kante,die beim Keyen entsteht, der Umriß des Key Objekts wirkt weicher undeine Integration in den Hintergrund erscheint glaubhafter.
In einem Compositing mit mehreren Layer läßt sich mit Blur eine Tiefenschärfe erzeugen. Je weiter ein Objekt entfernt sein soll, desto höher ist der Blurwert.
Zum Unkenntlichmachen einer Person eignet sich der Blur ebenfalls. Er ist sogar besser geeignet als der gemeinhin benutzte Effekt des Mosaikrasterns, der ein Erkennen der Person oft noch ermöglicht. Ein geblurtes Bild kann dagegen nicht mehr erkannt werden, Details des Gesichtsausdrucks sind tatsächlich verschwunden.
Eine andere häufige Anwendung ist bei der Animation von Text und/oder grafischen Elementen.
Bewegter animierter Text läßt miteinem Blur wahrend der Bewegung mit einer künstlichen Bewegungsunschärfe versehen. Neben der Bewegung sollte auch der Betrag des Blurs animiert werden. Wenn der Text zum Stillstand kommt, muß der Betrag des Blurs 0 sein, damit der Text scharf erscheint und voll lesbar ist. Während der Bewegung muß ein bestimmter Blur eingegeben werden, der die Bewegungsunschärfe imitieren soll.
Zur Hervorhebung von z.B. Produktnamen in einem Werbeclip wird oft eine unscharfe 'Aura' um den Text gelegt, der kurz 'aufglüht'. Der Effekt wird auf einem separaten Layer unter dem Text erzeugt. Er enthält den selben Text an der exakt gleichen Position. Würde man diesen Effekt nur auf den Text selbst ohne ein separates Layer beziehen, würde die Lesbarkeit unter dem Blur Effekt leiden. Der Text würde außerdem transparent werden. Der obere Layer mit dem Text bleibt aber unverändert, vom Blureffekt unterhalb ist nur das zu sehen was nicht durch den Text darüber verdeckt wird. So entsteht der Aura Effekt.
Das Überlagern läßt die ursprüngliche Fläche des Textes immer noch als durchgehende scharf abgegrenzte Buchstaben erkennen. (Farbig und animiert natürlich etwas beeindruckender)