1. Einleitung
Warum digital? Die Gründe für den Erfolg digitaler Bildbearbeitung sind geringere Kosten, weil viele Prozesse schneller zu erledigen sind als mit herkömmlichen Methoden oder überhaupt erst möglich geworden sind.
Für digitale Technik spricht auch die Möglichkeit Daten verlustfrei zu kopieren, zu archivieren und zwischen Geräten auszutauschen.
Nicht nur die Hollywood Kassenschlager, Werbefilme und Musikvideos profitieren von der Technik. Gerade Produktionen mit knappem Budget können mit Hilfe von digitaler Technik erstaunliche Szenen drehen. Historische Sets, Massenszenen, Schutz von Schauspielern und Crew, digitale Effekte sind oft nicht direkt sichtbar, dennoch wärees ohne sie nicht möglich z.B. eine 500 Mann starke römische Legion aufmarschieren zu lassen, selbst wenn man so viele freiwillige Statistenhätte und bezahlen könnte braucht man immer noch 500 Kostümeund die finanziellen Mittel. Ungern würde man auch den 'teuren' Hauptdarstellerbei der Szene verlieren in der er vom Hochhaus fallen soll. Wie dreht man einen Film im New York der 30er Jahre, mit den Hochhäusern der 70erim Bild? (siehe Kap.5.1. Das Werk)
"Wie haben die das gemacht?" ist eine der zentralen Fragestellungen. Bei der Recherche von Material über die Erstellung bin ich meist auf Material gestoßen, bei denen die Besprechung einer bestimmten Produktion im Vordergrund steht. Die Publikation 'Cinefex' stellt ausführlich dar was genau bei den aktuellen Hollywoodfilmen an Technik, wie eingesetzt worden ist. Um diese Zeitschrift zu verstehen muß man allerdings über den allgemeinen (Post)produktionsprozeß Bescheid wissen, da Fachausdrücke nicht weiter erklärt werden. Sucht man nach allgemeingültigen Beschreibungen wie "das denn jetzt prinzipiell geht", findet man zumeist technische Abhandlungen oder Glossare.
Ziel der Arbeit ist es eine Lücke zwischen reinen Produktionsberichten(die digitale Postproduktion oft gar nicht abdecken oder etwa sagen "wir haben das im Computer gemacht.") und vorhandenen technischen, lexikalischen Werken zu verkleinern.
Es geht um Effekt- und Grafiklastige Produktionen.
Welche Geräte werden dazu benutzt? Welche 'Werkzeuge' stehen zur Verfügung? Welche maßgeblichen Herstellerfirmen sind beteiligt? Wer stellt diese Effekte in der Praxis her?
Aber zuerst die Erklärung des Titels der Arbeit: Was ist überhaupt ein Compositing? Und was ist mit 'vertikaler Schnitt' gemeint?
Wenn man in einem Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr Bildelemente sehen kann als man mit einer Kameraaufnahmetechnik zu einem bestimmten Zeitpunkt aufnehmen kann, handelt es sich um ein Compositing.
Demnach stellt eine Doppelbelichtung ein Compositing dar. Wie bereits die Pioniere des Kinos erkannten, eine gute Möglichkeit zur Erzeugung von Spezialeffekten. Diese Methoden der In-Kamera Effekte durch Mehrfachbelichtung etc. werden hier aber ausgeklammert.
Eine andere Analogie aus der Musik: Eine Melodie ist die zeitliche Folge einzelner Töne, bei einem Akkord erklingen mehrere Töne gleichzeitig. Ein Compositing ist also ein 'Bilderakkord'.
Eine Blende ist ebenfalls ein Compositing, über die Blendendauer sind zwei Bilder gleichzeitig sichtbar. Titel stellen ebenfalls eine Form von Compositing dar.
Vertikaler Schnitt; hat für mich zwei Bedeutungen. Zum einen ist es die Übernahme aus der grafischen Darstellung solcher Effekte in den Geräten.
Die Videospuren werden übereinander dargestellt. Spuren die weiter oben liegen verdecken Spuren die weiter unten liegen. Die Logik hier ist die gleiche wie bei einer Papiercollage.
("Collage, Montage, Compositing" war übrigens ein Titel der mir auch gut gefallen hätte.)
Die Bildelemente sind vertikal angeordnet.
Die zweite Bedeutung setzthier an. Wer entscheidet nach welchen Gesichtspunkten, welches Bildelementzu sehen ist. Ähnlich wie es an dem Schnittmeister liegt einen Rhythmusfür eine Bildfolge zu finden, so liegt es an dem 'Digital Artist' welchenRhythmus die Bildspuren bilden.
Ein Gebiet der Bildbearbeitung in dem man als 'Cutter', Schnittmeister oder 'Editor' gute Chancen hat.
Tatsächlich haben viele dieser 'Artists', 'Editoren' oder 'Operator' einen Schnitthintergrund, allerdings kommt das meiste Personal, vor allen Dingen in Deutschland, aus dem Grafikbereich. Beim Compositing spielt die zeitliche Abfolge eine große Rolle, die Effekte werden über die Zeit animiert. Einfach ist es noch zu bestimmen wann und wie schnell ein Titel eingeblendet werden muß. Betrachtetman eine Nachrichtensendung in der z.B. vom Sprecher im Studio zum Korrespondenten nach Moskau umgeschaltet wird, zeigt sich bereits (je nach Sender) ein komplexes Compositing.
Der Sprecher wird vom Vollbild zu einem kleinen Bild Insert oben rechts.
Als Hintergrund zeigt sicheine (animierte) Grafik.
Das Bild Insert des Korrespondenten wird aufgeblendet
Ein Text Insert 'Studio' und 'Moskau' wird eingeblendet
Eine Überblendung zumText 'Verhandlungen'
Das Korrespondentenbild wird zum Vollbild
Eine alltägliche Fernsehsituation, derjenige der diese Effekte auslöst wird sich selbst wohl kaum als 'Digital Artist' bezeichnen, dennoch hat er ein Compositing von 6 Layern (Ebenen)innerhalb von 10 Sekunden animiert. Ein Beispiel das illustrieren soll dassolche Effekte überall auftauchen. Ganze Abteilungen in den Fernsehanstaltensind dafür verantwortlich ein unverwechselbares Design für dieeigenen Sendungen zu finden. Das geht weit über reinen Bildschnitt hinaus,da Sender- und Sendungslogo als grafische, animierte Elemente eingesetztwerden um optisch eine herausstechende Bildsprache zu finden. (On Air Promotion).
Umsetzung finden diese Konzepte dann mit Hilfe der hier beschriebenen Arbeitsweisen und Geräte.
Im Verlauf der Arbeit sollen die Geschichte und Grundlagen digitaler Videotechnik diskutiert werden. Eine ausführliche Beschreibung der Methoden zur Effekterstellung folgt. Das nächste Kapitel behandelt die Umsetzung der vorher eingeführten Werkzeuge auf existierende Produkte führender Hersteller in diesem Bereich. Unterschiedliche Konzepte zur Lösung der gestellten Aufgaben werdenerläutert. Im nächsten Kapitel werden die Firmen vorgestellt, welchedie Geräte aus dem vorigen Kapitel dann schließlich kaufen undanwenden.
Bei der Auswahl der Produktionshäuser habe ich versucht Firmen mit unterschiedlichen Profilen auszusuchen. Außerdem werden Zulieferer und spezialisierte Firmen untersucht. Hollywood als größter Produzent von digitalen Effekten soll nicht unerwähnt bleiben, spielt hier aber eher eine geringe Rolle.
Da sich zur Zeit ein Wandelvollzieht bei der Art wie solche Effekte hergestellt werden, schließt sich ein Kapitel über mögliche zukünftige Produktions- Konzepte an (die möglicherweise schon von existierenden Firmen aufgegriffen worden sind). Hier werden auch die Möglichkeiten von hochauflösendem Digitalvideo besprochen.
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